Prolog


Jeder kann tun, was ich tue.

Aber man muss loslassen.

Das wusste ich anfangs nicht,

aber jetzt weiß ich es.

aus: Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harald Fry


Meine ersten Wandererfahrungen machte ich 1979 im Kings-Canyon-Nationalpark in Kalifornien (USA). Meine Erinnerungen daran sind:  einsame Wege in grandioser Natur, glasklare Seen, geräuschlose Stille, Nächte unter unendlichem Sternenhimmel - und nachts die Angst vor den Bären. 

Jedoch - es war nicht nachhaltig. In den nachfolgenden Jahren bin ich wenig gewandert. Immer war anderes wichtiger. Studium, Heiraten, Haus bauen, Karriere. Wie das so ist. Ein paar Wanderurlaube gab es zwar, doch die Strecken waren nie länger als fünfzehn Kilometer. Es waren eher lange Spaziergänge.

Erst Jahrzehnte später wurde die Leidenschaft für das Wandern durch Zufall wiedererweckt. Vielleicht war es auch Vorsehung, wer weiß das schon.

Es begann mit der Lektüre des Romans  "Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry"  von Racel Joyce.

Die Kurzfassung der Geschichte geht so:

Harold Fry erhält einen Brief, der ihn sehr aufwühlt. Umgehend schreibt er dem Absender eine Antwort. Den Brief trägt er zum Briefkasten, wirft ihn aber nicht ein. Er geht zum Postamt, doch er geht vorbei, aus der Stadt hinaus und immer weiter. So wandert er durch Großbritannien, vom Süden bis zum Norden, tausend Kilometer weit, siebenundachtzig Tage lang, bis er endlich den Brief persönlich übergeben kann. Er erlebt eine unglaubliche Geschichte und sein Weg führt ihn auch zu sich selbst.

Diese Geschichte hat mich so sehr bewegt, dass ich kurz darauf selbst mit dem Wandern  begann.  Der Beginn war eher tastend und versuchend. Ich brauchte Orientierung.

Ich wohne in Hamburg. Es lag für mich nahe, von dort aus zu starten. Ich machte - noch recht planlos - ein paar Tagestouren Richtung Norden.

Unterwegs keimte der Gedanke: 

Ich will durch Deutschland wandern und das Wesen des Wanderns erfahren.

 

Ich begann zu recherchieren:

Es gibt viele Wanderwege in Deutschland. Ich fand heraus, dass der Europäischen Fernwanderweg E1 der Richtige für mich sein würde. um von Nord nach Süd durch ganz Deutschland zu laufen.

Zunächst setzte ich mir ein bescheidenes Ziel: nach Flensburg, der Ostseestadt nahe der Grenze zu Dänemark, dem nördlichen Startpunkt des E1, wollte ich wandern.

Wenn dann noch Lust zum Wandern vorhanden wäre, würde ich von Hamburg aus immer weiter nach Süden gehen, um eines Tages den Bodensee und die Schweizer Grenze zu erreichen. 

Dort sollte meine Wanderung enden.

So war der Plan.

Nicht immer bin ich auf meinem Weg dem E1 gefolgt. Immer dann, wenn er sich zu große Abschweifungen von der eigentlichen Nord-Süd Richtung machte, habe ich mir lieber meine eigene Route gesucht. 


E1 - Tourenverlauf

auf dem E1 unterwegs: 106 Tage, 2.515 km, 4 Länder
auf dem E1 unterwegs: 106 Tage, 2.515 km, 4 Länder

Wandern auf dem E1:

in bisher 106 Tagen 2.515 km

durch vier europäische Länder.

Drymat



mein Kanal: Michael-wandert
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