5. Tag: Bordesholm - Kiel-Rusee

Samstag, 14.6.14, 24 km in 6 Std.

Schöner Eiderwanderweg

Dieses Wochenende will ich 55 km bis nach Eckernförde wandern. Ich werde zwei Tage unterwegs sein und bin gespannt, zu erfahren, wie es mein Körper am Ende dieser Etappe gehen wird.

Heute will ich 24 km wandern, vier Wanderstunden liegen wohl vor mir. Reichlich Zeit also und ich breche erst um zehn Uhr auf. Da mein Startpunkt schon etwas weiter entfernt von Hamburg liegt, nmuss ich erstmals den DB- Regionalzu nehmen. Schnell bin ich in Bordesholm.

Als ich aus dem Zug steige, scheint die Sonne hell vom Himmel, dabei war ein Regentag vorhergesagt. Mein kleiner Tagesrucksack ist randvoll und schwerer als bisher, denn heute habe ich zusätzlich Schlaf- und Wechselsachen dabei. 

Schnell lasse ich Bordesholm hinter mir und bald stoße ich auf den Eidertalwanderweg, den ich entlang wandern möchte.

Unberührt liegt das Eidertal vor mir. Ich wandere auf einem schmalen Weg unter blauem Himmel mit weißen Wattewolken entlang. Es wäre völlig still hier, wären da nicht leise Motorengeräusche zu hören, die sich mit einer hohen Frequenz unangenehm in meine Ohren bohren. Jeder weitere Schritt läßt es lauter werden, das Geräusch wird zu lautem Lärm, erzeugt von knatternden Zweitaktmotoren mit gelegentlichen Fehlzündungen, die wie Gewehrschüsse klingen. Ein Blick auf die Komoot-App informiert mich, dass jenseits des hoch aufragenden und üppig bewachsenen Lärmschutzwalls der MSC Nordmark Kiel seine Motocrossbahn hat. Dort scheinen kleine, ferngesteuerte Motorwagen ihre Runden zu drehen. Wie kann man eine solche Lärmquelle in einem Naturschutzgebiet genehmigen? Ich verstehe es nicht und sehe zu, dass ich den Lärm hinter mir lasse.

Bald ist es vergessen und ich wandere auf dem Eidertalwanderweg acht Kilometer lang in absoluter Stille. Zwar verläuft rechts von mir die Bahnlinie Kiel - Hamburg, aber es fährt kaum ein Zug, der stören könnte, auf der anderen Seite gewährt das Eidertal schöne Einblicke. In regelmäßigen Abständen informieren Hinweistafeln über die Besonderheiten dieses Wanderweges. Ich lese, dass ich auf einem Rundweg von insgesamt 10 km Länge gehe, der erst 2001 eingeweiht wurde. Er führt rund um das Eidertal herum, das nicht betreten werden darf und deshalb eingezäunt ist. Innerhalb der Zäune gibt es Wildpferde und Rinder. Das Eidertal wurde durch die Gletscher der letzten Eiszeit geformt.

Ich treffe auf eine erste Schutzhütte und ich frage mich, ob ich nächstes Jahr wohl in einer solchen Hütte übernachten werde? Noch würde ich es nicht tun!

Es geht einen Hügel hinauf, von hinten überholt mich schnaufend ein Radfahrer und verschwindet bald darauf hinter der Kuppe. Auch ich beginne zu pusten. Oben auf dem Hügel verspüre ich Hunger. Sehr willkommen ist mir da die Bank, auf der ich mich niederlasse. Von hier habe ich ein herrliches Panorama über das hügelige, grüne Tal. Gegenüber grasen wilde Pferde, sie schnauben gemütlich beim Grasen. Ich ziehe meinen Apfel und einen Powerriegel aus dem Rucksack, kaue gemütlich und anschließend mache ich ein Mittagsschläfchen. Lange allerdings halte ich es nicht aus, denn die Bank liegt in der prallen Mittagssonne, die Hitze öffnet meine Poren. Eine große, schwarze Fliege lässt sich brummend auf der Bank direkt vor meiner Nase nieder. Lange beäugen wir uns und ich denke, wenn die Brummer fliegen, ist der Sommer nicht mehr weit. Dann fliegt das dicke Insekt davon. Auch ich mache mich wieder auf den Weg.

Ich verlasse den Eiderwanderweg, der um das Eidertal herum führt.

Die Eider mündet in den Schulensee, an dessen Ufer ich mich auf einer Bank direkt an der Badestelle nieder lasse. Ich schlafe sofort ein. Eine kalte, nasse Hundeschnauze an meiner Wange lässt mich hochschrecken. Ich öffne die Augen und blicke in große schwarze Hundeaugen, die mich erwartungsvoll anschauen. Ein kurzer Ruf des Herrchens lässt den großen Hund herumfahren und dem geworfenen Ball hinterher springen, direkt hinein ins kühle Nass des Schulensees. Erleichert packe ich meine Sachen zusammen und trolle mich.

Nun ist es nicht mehr weit bis zum heutigen Etappenziel. Ich rufe meine Schwiegermutter an und teile ihr mit, dass ich bald da sein werde.

Es geht noch am schönen Russee vorbei und tatsächlich komme ich fast pünktlich nach insgesamt 24km um 18 Uhr bei ihr an. Sie erwartet mich schon auf der Terrasse mit einem schönen Spargelessen und einem herrlich kühlen Bie.

Das Leben kann so schön sein.

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