2. Tag: Norderstedt - Kaltenkirchen

17.5.14, 21 km in 4 Std.

Schienen im Wald

Ich bin zeitig an diesem Samstag unterwegs, es verspricht frühlingshaft und warm zu werden. Beim Bäcker gegenüber der Bushaltestelle kaufe ich ein Brötchen für später und ein Croissant für sofort. Der Bus bringt mich zur U-Bahn und die in einer knappen Stunde zum Bahnhof Norderstedt. Fast sehe ich dort noch meine Fußstapfen, die ich letzte Woche hinterließ. Ich eile durch den Ort, überquere eine breite Landstraße und dann umfängt mich endlich wieder der Wald.

In der Zwischenzeit ist es warm geworden und so bin ich froh, dass der Weg im Schatten verläuft. Durch das Blätterdach sehe ich die Sonne blitzen, es ist ein perfekter Frühlingstag, dem die Vögel ihre Gefühle entgegenträllern.

Drei Kilometer weiter verlasse ich die Kühle des Waldes, nun geht es ein Stück durch bebautes Gelände. Ich passiere ein großes Umspannwerk. Es ist keine schöne Gegend hier!

Bald bin ich zurück im Wald und stoße dort auf die Bahntrasse der AKN. Ein kurzer Gedankenblitz: hier werde ich später entlang fahren, zurück nach Hause. Ich wische den Gedanken beiseite, denn jetzt möchte ich wandern. Vier Kilometer folge ich dem Weg entlang des Schienenweges. Während die Gleise schnurgeradeaus verlaufen, schlängelt sich der Wanderweg mal dicht und mal weit entfernt von den Gleisen durch den dichten Wald. Kein Zug rattert die Gleise entlang, kein Mensch begegnet mir. Es herrscht entspannende Ruhe, nur die Vögel singen immerzu ihre fröhlichen Lieder. Ich fühle mich rundrum glücklich hier, ganz alleine im Wald.

Auf einer Bank am Ortseingang von Henstedt-Ulzburg mache ich kurz Rast. Das mitgeführte Wasser und das Brötchen schmecken köstlich! Nach kurzer Pause bin ich wieder unterwegs, verlasse nun wieder den Wald, um eine Reihe schmucker Einfamilienhäuser entlang zu laufen.

Auf den letzten sechs Kilometer wird es immer eintöniger, denn ich muss ein Gewerbegebiet durchqueren und stelle erstaunt fest, wie viele kleine und mittelständige Unternehmen aller Branchen es hier gibt. Hamburg wächst offenbar in alle Richtungen und der sogenannte Speckgürtel wird immer fetter.

Nach einundzwanzig Kilometern erreiche ich den Bahnhof von Kaltenkirchen, Vier Stunden nur habe ich dafür gebraucht. Ich bin weder erschöpft noch sind die Beine müde. Ich könnte noch weiter wandern, so viel Lust bereitet es mir. Trotzdem lasse ich es für heute gut sein.

Nun brauche ich einen Kaffee und den gönne ich mir in einem Kiosk gegenüber vom Bahnhof. Auch ein Brötchen wäre nicht schlecht, doch der Kioskbetreiber hat keine. Mit dem Kaffee in der Hand setze ich mich vor dem Kiosk auf eine breite Treppe. Dort sitzen schon andere Gestalten, mit ein Bier in der Hand. Sie unterhalten sich lautstark und kämpfen dabei mit ihren Stimmen gegen Musik an, die plärrend aus einem mitgeführten Radio schallt. Es scheint nicht das erste Bier zu sein, dass sie genießen.

„Jedem das Seine“, denke ich und ziehe weiter zum Bahnhof.

Der altersschwache AKN-Zug rumpelt sein Schienenbett entlang und passiert das Waldstück mit dem Weg, dem ich heute morgen entlang der Schienen folgte. Meine Gedanken kehren für einen Moment sehnsuchtsvoll zurück, dann ist der Zug auch schon vorbei.

Ich bin gerade rechtzeitig zurück, um eine Verabredung für den Abend einzuhalten.

geregnet hat es nur für diese Drei!
geregnet hat es nur für diese Drei!
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