Deutschland


Routenverlauf des E1 in Deutschland

Der deutsche Teil des E1 beginnt in Flensburg an der deutsch-dänischen Grenze und endet in Konstanz am Bodensee an der deutsch-schweizerischen Grenze. Er hat eine Länge von 1.900 Kilometern und ein durchschnittlicher Wanderer braucht dafür wohl mindestens sechzig Wandertagen. 

Hat man das norddeutsche Flachland geschafft, geht es in Mitteldeutschland durch das Rothaargebirge, den Taunus und den Odenwald, in Süddeutschland dann auf über tauschend Höhenmetern durch den Schwarzwald bis zum Feldberg auf 1.400 Höhenmertern. Hat man den Schwarzwald hinter sich gelassen, geht es durch die schöne, vulkanische Hegau dem Finale entgegen: dem Bodensee.

Route des E1 längs durch Deutschland (Quelle: Outdooractive.de)
Route des E1 längs durch Deutschland (Quelle: Outdooractive.de)

Mein Weg durch Deutschland

Zweiundsiebzig Tage, verteilt auf drei Jahre (2014 bis 2016) war ich unterwegs, um insgesamt eintausendsiebenhundert Kilometer von Nord nach Süd längs durch Deutschland zu laufen.

Bei meiner Planung habe ich mich am Wegverlauf des E1 orientiert, aber ich wich gelegentlich auf andere Wanderwegen aus, wenn der E1 einen allzu großen Schlenker machte.

So fand ich meinen eigenen Weg durch mein schönes Heimatland, das trotz hoher Bevölkerungsdichte mit erstaunlich viel Wald, Wiesen und Felder aufwarten kann, durch die weitgehend bestens gepflegte und beschilderte Wanderwege führen. Oft fühlt man sich weitab von allem, alleine und in Stille wandernd und doch ist die Zivilisation nie weit entfernt. Ich empfand gerade das sehr beruhigend.

Den Weg plante ich im Detail erst nach und nach, doch mein Ziel stand schon von Anfang an fest: Konstanz am Bodensee am südlichsten Zipfel von Deutschland sollte er enden. Und so kam es auch.

Norddeutschland (2014): 457 km

Schleswig Holstein

Meine Wanderreise durch Deutschland begann im Mai 2014.

Da ich in Hamburg wohne, lag es für mich nahe, von dort aus zu starten. An einem Freitag Anfang Mai ging ich meine ersten Etappe in nördliche Richtung - längs durch Schleswig Holstein. Nach einigen eintägigen Wanderungen erreichte ich die Ostsee und ein erstes Hochgefühl durchströmte mich. Noch nie war ich zu Fuß bis zur Ostsee gegangen.

Einige Wandertage später, es war schon Mitte August, kam ich in Flensburg an und erreichte damit den nördlichsten Punkt meiner Wanderung. Die Freude darüber, dass ich es bis hierhin geschafft hatte, war riesengroß. Erst riß ich jubelnd die Arme hoch und dann nahm ich fröhlich ein Bad in der warmen Ostsee.

Meine erste Etappe führte im Frühjahr 2014 von Hamburg nach Flensburg (269 km in 54,5 Std.).
Meine erste Etappe führte im Frühjahr 2014 von Hamburg nach Flensburg (269 km in 54,5 Std.).

Niedersachsen

Schon eine Woche ging es weiter. Die zweite Etappe führte mich endlich in die richtige Richtung: nach Süden. Voller Euphorie wäre ich am Liebsten gleich bis zum Bodensee gelaufen, doch sechs Wandertage später war schon Schluss. Das schon kühle Herbstwetter und vor allem eine starke Erkältung bremsten meinen Wandertrieb am Steinhuder Meer bei Hannover für dieses Jahr aus.

Die zweite Etappe endete im Herbst 2014 am Steinhuder Meer (188 km in 32,5 Std.).
Die zweite Etappe endete im Herbst 2014 am Steinhuder Meer (188 km in 32,5 Std.).

Für die kalte Jahreszeit suchte ich nach einer anderen Herausforderung und etwas, um fit zu bleiben. Ich begann mit dem Joggen und das wurde neben dem Wandern zu meiner zweiten Leidenschaft. Wie beim Wandern setzte ich mir auch hier ein Ziel, um dran zu bleiben, denn mit Zielen geht es besser: ich wollte meinen ersten Marathon laufen. Nach siebenhundert gejoggten Kilometern (mehr, als ich in dem Jahr wanderte) war ich im Frühjahr fit für meinen ersten Haspa-Marathon in Hamburg. Nach fünf Stunden, so wie ich es geplant hatte, lief ich erschöpft, aber überglücklich über die Ziellinie. Für das erste Mal war mein Motto: ankommen ist alles.

Mitteldeuschland (2015): 600km

Mittelgebirge (Hessen + NRW)

Mitte Mai 2015 ging es mit dem Wandern weiter, ich konnte es nach dem langen Winter auch schon nicht mehr erwarten.

Die Etappe führte in mehreren Wanderungen vom Steinhuder Meer über den Deister, entlang des Emmerwegs und des Eggewegs. Es  folgten die Höhen des Eggegebirges und des Rothaargebirges, dann ging es die Lahn und Aar entlang. Hier waren die Wälder schon herbstlich bunt. Das Finale bildete ein traumhafter Blick ins weite Rheintal bei Wiesbaden.

Damit war das zweite erlebnisreiche Wanderjahr zu Ende.

2015 ging es vom Steinhuder Meer durch das Mittelgebirge bis zum Rhein (601km)
2015 ging es vom Steinhuder Meer durch das Mittelgebirge bis zum Rhein (601km)

Süddeutschland (2016): 652km

Die Anfahrtswege wurden nun sehr lang. Deshalb wanderte ich ein- oder mehrwöchigen Etappen.

Odenwald

Im Frühjahr ging es für drei Wochen von Walluf am Rhein durch das Rheinland und den Odenwald bis nach Pforzheim.

Es regnete viel und heftige Gewitter ließen die Wälder erzittern, aber es gab auch Zeiten voller Sonnenschein.

Ich hatte mein neues Zelt dabei, in dem ich einige Nächte auf verschiedenen Campingplätzen verbrachte und so neue Erfahrungen sammeln konnte.

Schwarzwald

Im Schwarzwald folgt der E1 dem Westweg, der bei Pforzheim mit dem goldenen Tor beginnt. Das Zelt ließ ich aus Respekt vor den vielen Höhenmetern, die es zu überwinden galt, dieses Mal lieber zu Hause und die Unterkünfte meiner einen Wanderwoche buchte ich schon weit im Voraus. Doch wie es sich herausstellte, war das gar nicht nötig. Der Westweg wird von zahlreichen Gleichgesinnten begangen und ich machte nette Wanderbekanntschaften. Der Westweg ist gut ausgebaut und beschildert, einige Schutzhütte sind sogar zum Übernachten gut, so dass ich Zelt und Schlafsack hätte gut gebrauchen können.

Ermuntert von den Erfahrungen der letzten Etappe führte ich auf der letzten Etappe wieder meine gesamte Ausrüstung mit. Sechszehn Kilogramm schleppte ich auf meinem Rücken die Berge rauf und runter und manches Mal habe ich es geflucht. Das Herbstwetter war zwar schön, aber in den Höhenlagen schon frostig.

Der Westweg begleitete mich noch bis zum Feldberg, dem höchsten Punkt auf der gesamten Wanderung und damit ein absolutes Highlight. Dann ging es kurz auf dem Mittelweg und bald auf dem Querweg weiter, durch die Hegau hinab zum Bodensee, den ich schließlich an einem spätsommerlich warmen Herbsttag erreichte.