Auf dem E1 unterwegs


Jeder kann das tun, was ich tue. Aber man muss loslassen.

Das wusste ich anfangs nicht, aber jetzt weiß ich es." 

aus: Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harald Fry


Prolog

1979 machte ich im Kings-Canyon-Nationalpark in Kalifornien (USA) meine allerersten Wander-Erfahrungen. Einsame Wege, Nächte unterm Sternenhimmel, glasklare Seen und nachts Angst vor den Bären. Das sind die Erinnerungen an diese einwöchige Tour.

Danach bin ich sehr lange nicht mehr gewandert. Ein paar Wanderurlaube, die Strecken nie länger als 15km, das war's.

Vor ein paar Jahren war es reiner Zufall, dass meine Wanderleidenschaft erweckt wurde.

Nach der Lektüre des Romans  "Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry"  von Racel Joyce ging alles los.

Die Kurzfassung der Geschichte geht so:

Harold Fry will eigentlich nur kurz zum Briefkasten, doch er geht vorbei, auch am Postamt, aus der Stadt hinaus und immer weiter. Er wandert 87 Tage, 1000 Kilometer und erlebt eine unglaubliche Geschichte.

Das wollte ich auch! Nur wie? Der Anfang war ein Tasten und Versuchen. Bald fand ich meinen eigenen Weg. Ich wollte durch Deutschland wandern und das Wesen des Wanderns begreifen.


In drei Jahren durch Deutschland

Ich wählte unter den elf europäischen Fernwanderwegen den E1 aus, der für meine Zwecke ideal erschien, denn er verläuft längs durch Deutschland. Drei Jahre war ich auf ihm unterwegs. 

Zunächst eintägigen Etappen nur, als die Wege weiter wurden, wurden mehrtägigen und schließlich mehrwöchige Touren daraus. 

Ein Jahr, zwei Länder: Dänemark und Schweiz

Im dritten Wanderjahr kam in Konstanz am Bodensee an meinem selbst gesteckten Ziel an.

"War's das jetzt?", fragte ich mich dort mit Blick über den See. Die Feder und die Muschel, die mich den langen Weg im Rucksack begleiteten, waren bereits dem See übergeben.

Nein! Die Wanderlust blieb, ich wollte meinen Weg auf dem E1 fortsetzen. Das geht, weil der E1 längs durch ganz Europa verläuft.

So recht konnte ich mich nicht entscheiden, an welchem Ende ich anknüpfen wollte. So habe ich den Weg einfach an beiden Enden fortgesetzt. Es ging durch Dänemark und die Schweiz.

Wie geht es weiter?

Ja, das frage ich mich gerade. Als ich in Morcote an der Grenze zu Italien stand, hatte ich das starke Gefühl, dass mein Weg auf dem E1 genau dort zu Ende gehen würde. Nun, einige Zeit später, bin ich da schon nicht mehr so sicher. Der Winter wird es zeigen, denn das ist die Zeit neuer Planungen...