Der Vicelinweg

Auf den Spuren des Heiligen Vicelin

Vier etwa gleich lange Etappen führen zu Fuß im Rundkurs von Neumünster über Bordesholm, Preetz, Bornhöved wieder zurück zum Ausgangspunkt. Da der Vicelinweg eigentlich als Radtour konzipiert ist, führt die Originalroute auch über asphaltierte Strecken. Deshalb ist der Fußweg hier und da modifiziert. Ganz lassen sich Straßen allerdings nicht vermeiden.


Rundwanderung auf dem Vicelinweg in 4 Etappen

Der Heilige Vicelin war ein Priester und Bischof, der im 12. Jahrhunderts im Auftrag der Sachsen die Slawen in Wagrien missionierte. Die Tour folgt seinen Spuren. Die einzelnen Wanderetappen beginnen oder enden meist an einer von Vicelin gegründeten Kirche.

  • 1. Etappe: Neumünster -> Bordesholm
    Vicelin gründet 1127 als Ausgangspunkt seiner Mission der Christianisierung das Kloster "Novum Monasterium" (lat. für Neues Münster). Das Kloster wird von den Slawen zerstört. Heute erinnert die später gebaute Vicelinkirche an das Kloster, das 1130 in Bordesholm auf einer ehemaligen Insel des Eiderstedter Sees (heute: Bordesholmer See) neu errichtet wird, wo es heute noch steht.
  • 2. Etappe: Bordesholm ->  Preetz:
    Die Klosteranlage Preetz stammt aus der Zeit nach Vicelin; u.U. besteht  zu Vicelin aber eine Verbindung durch eine Fleckenkirche, die Vicelin 1150 in der Nähe errichtet haben soll.
  • 3. Etappe: Preetz -> Bornhöved:
    die Route führt entlang der "Alten Schwentine", die Teil des "Limes Saxoniae" war, zu Vicelins Zeiten Grenzlinie der Herrschaftsgebiet Sachsen und Slawen - sinngemäß eine Grenze zwischen Christen und Heiden.
    In Bornhöved liegt die Kirche St. Jakobius, eine der ältesten Feldsteinkirchen Norddeutschlands. 1149 ließ Vicelin sie errichten. Weil sie im Grenzgebiet lag, war sie als "Wehrkirche" aus massiven Feldsteinen errichtet. Ein schönes Beispiel, wie Vicelin seine Kirchen baute.
  • 4. Etappe: Bornhöved -> Neumünster: 
    die letzte Etappe folgt eher unspektakulären Wegen zurück nach Neumünster. Eine kurze Weile folgt man noch dem Limes Saxoniae, biegt dann ab Richtung Westen. Der Weg führt mitten durch den Ricklinger Forst, in dem aufgrund der harten Winterstürme umgestürzte Bäume  kreuz und quer im Weg liegen. Bei Kleinkummerfeld trifft man auf die Quelle der Stör, dessen Lauf man bis nach Neumünster folgt. Dort wartet die Vicilinkirche auf eine abschließende innere Einkehr. Zwar wurde sie nicht von Vicelin errichtet, ist in ihrer weißen Schlichtheit dennoch sehr schön.
    In Neumünster starb Vicelin 1154 als Bischof an einem Schlaganfall. So schließt sich der Kreis.

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Etwas über Vicelin und seine Zeit

Vicelin: * 1090   † 1154

  • geboren in Hameln, studiert Theologie in Frankreich
  • erhält 1126 die Priesterweihe
  • missioniert 1126/27 die Wagrier (einem Teilstamm der Abodriten [Slawen] ) in Liubice (Alt Lübeck)
  • ab 1127 Seelsorger der Holsten im slawisch/sächsischen Grenzgebiet. Er gründet mehrere Kirchen und Augustiner-Chorherren-Stifte
  • 1149 geweiht zum Bischof geweiht. Er erhält Bosau als Missionsbasis
  • 1154 stirbt V. an den Folgen eines Schlaganfalls in Faldera (Neumünster)
  • 1332 wird er heilig gesprochen. Seine Gebeine werden in das neue Kloster Bordesholm überführt

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Geschichtliche Einordnung

Siedlungsgebiet des Stammesverbandes der Abodriten (Quelle: Wikipedia)
Siedlungsgebiet des Stammesverbandes der Abodriten (Quelle: Wikipedia)
  1. Vicelins Missionsarbeit beginnt am Ende der Herrschaftszeit von Heinrich von Alt-Lübeck, einem mächtigen abotritischen Samtherrscher, der von 1093 bis 1127 über die elbslawischen Stämme der Wagrier und Polaben (ungefähr von Ostholstein bis nach Polen). Unter seiner Herrschaft erreicht das Abodritenreich seinen Höhepunkt. Er herrscht von Alt-Lübeck (Liubice) aus, einer slawischen Siedlung an der Mündung der Schwartau in die Trave. Heinrich entstammt mütterlicherseits dem dänischen Königshaus, väterlicherseits dem Herrschergeschlecht der christlichen Narkoniden. Er wirkt entscheidend an der Christianisierung der Abotriten mit. 
  2. Nach Heinrichs Tod 1127 schwächen Nachfolgestreitigkeiten die Stärke der Abotriten. Vicelin gründet derweil in Neumünster eine Kirche und ein Stift (novum monasterium, lt. für neues Münster). Vicelins Missionsarbeit konzentriert sich nun auf die sächsischen Holsten, die zwar bereits Christen sind, aber heidnisch leben. Er baut erste Kirchen. Liubice wird von Ranen (Abotritenstamm auf Rügen) zerstört; in Folge werden die Wagrier 1138 vernichtend geschlagen. 
  3. Heinrich der Löwen, Herzog von Sachsen, verleibt sich 1142 Wagrien und Polabien (etwa: Mecklenburg) ein. Vicelin kann seine Slawenmission fortsetzen. Er baut weitere Kirchen.

Vicelins Kirchen

Vicelinkirche Bornhöved
Vicelinkirche Bornhöved

In Holstein werden Kirchen, die ihre Entstehung der Missionstätigkeit Vicelins verdanken, noch heute Vicelinkirchen genannt. Oftmals handelt es sich um alte Feldsteinkirchen. Vicelinkirchen befinden sich nicht nur am Vicelinweg, sondern überall im Gebiet des ehemaligen Wagriens (ungefähr heutige Kreise Ostholstein und Plön).

So in: Segeberg, Bornhöved, Pronstorf, Bosau, Neukirchen, Ratekau, Bad Schwartau (Rensefeld), Süsel, Warder und Bad Oldesloe.

 

Dem hl. Vizelin geweihte Kirchen gibt es weiterhin in Lübeck, Norderstedt, Hamburg-Sasel und Neumünster.



Wandern auf dem E1

Storlien (Schweden) <-> Pietrasanta (Italien)

175 Tage  | 4.350 km
bisher letzte Tour: August 2022 (Schweden, Södra Kungsleden)

nächste Tour: November 2022 (Italien, Via Francigena)




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