Naturparkweg Schleswig-Holstein - Tour 1: Hüttener Berge

Die erste Tour: Hüttener Berge


Die letzte Eiszeit formte Hügel, Seen und feuchte Senken und hinterließ große Findlinge sowie kleine Steine. Der Mensch fügte Felder, Wege und Knicks hinzu. So entstand die typische Landschaft.
Die letzte Eiszeit formte Hügel, Seen und feuchte Senken und hinterließ große Findlinge sowie kleine Steine. Der Mensch fügte Felder, Wege und Knicks hinzu. So entstand die typische Landschaft.
Tour 1: 3 Etappen durch die Hüttener Berge
Tour 1: 3 Etappen durch die Hüttener Berge

Etappe 1

Während der ersten Etappe auf dem Naturparkweg geht es von Eckernförde für ein paar Kilometer auf der Westseite des Windebyer Noors einen urigen Weg entlang. Zwei Schutzhütten gibt es, der einen bin ich 2014 bereits begegnet, als ich hier erstmals auf meinen Schicksalswege - den E1 - stieß. Momente der Erinnerung...

Weiter geht es an Feldern und Wiesen vorbei hinein in die Hüttener Berge. Bergig mutet es tatsächlich an, naja, wenigstens hügelig. Meist muss ich bergan stiefeln, denn das heutige Ziel ist der Aschberg (fast 100m hoch). Logieren tue ich im Panorama Hotel Aschberg, der ehemaligen Globetrotter Lounge. Das Panorama kann man am Besten vom Aussichtsturm genießen, der einen unglaublichen Weitblick ermöglicht. Ich habe Glück, denn die Sonne scheint, der Himmel ist blau und die Sicht weit. Nicht so viel Glück habe ich mit dem Restaurant. Das hat heute Ruhetag. Doch der kluge Mann baut vor. So gibt es halt Uncle Ben's Naturreis Mediterran über offenem Gaskocher auf der Terrasse. Ein kaltes Bier dazu gibt es an der Rezeption. Ein schöner Schlusspunkt der ersten Etappe.

Etappe 2

Nach geruhsamer Nacht geht's früh weiter. Gleich neben dem Hotel steht groß und stolz ein Abbild des alten Bismarck. Sein Antlitz ist starr in die Ferne Richtung Nord-Ostsee-Kanal gerichtet. An seinem Standort wirkt er ein wenig deplatziert hier. Doch später lerne ich dazu.

Mehr zum Bismarck Standbild: HIER

 

Bevor es zum Bistensee geht, komme ich am Fresensee vorbei. Eigentlich lässt der Naturparkweg den kleinen See mitten im Wald links liegen, aber warum ihn nicht umrunden?

Nun geht es aber schnurstraks "bergab" zum Bistensee. Dort gibt's - ebenfalls etwas abseits des Naturparkwegs eine Badestelle. Doch statt mir springen zwei andere in die Fluten und kraulen straks übern See. Wir haben das gleiche Ziel: den Campingplatz am See. Dort möchte ich mich zu den derzeitigen Übernachtungsmöglichkeiten im Zelt informieren, doch ein Schild am Eingang reicht bereits: Wanderer wegen Corona derzeit nicht erwünscht. Nach einer kleinen Pause auf dem Steg geht es am Bistensee entlang. Am anderen Ende des Sees lockt eine Bank mit einem herrlichen Blick über den See. 

Das die Duvenstedter Berge folgen, habe ich gar nicht recht gemerkt. Irgendwo mitten drin gibt es die heutige Kultureinheit: den Kolonistenhof. Ich habe mir den Skulpturenweg angeschaut.

In Borgstedt treffe ich auf Wasser. Ich habe fast den Nord-Ostsee-Kanal (NOK) erreicht. Doch hier sieht er mehr aus wie ein kleiner Binnensee. Kein Wunder, denn mein Blick fällt über die Eider hinweg auf die Rader Insel, die entstand, als der NOK hier zwischen 1912 und 1914 begradigt wurde. Eine Idylle entstand. Doch die wurde spätestens 1972 wieder getrübt, denn seitdem überquert in 49 m Höhe die Bundesautobahn 7 auf der Rader Hochbrücke den Nord-Ostsee-Kanal, die Rader Insel und die Borgstedter Enge. Mit der Ruhe war es fortan vorbei. Eine Badestelle lädt trotzdem zum Verweilen ein. Dort mache ich ein Nachmittagsschläfchen auf einer Bank, während der LKW-Lärm von der Hochbrücke widerhallt. Es war auszuhalten.

Weiter geht es entlang der Rader Insel an der Eider. Die Rader Hochbrücke wird unterquert und dann sind es nur noch ein paar Schritte bis zu meiner Unterkunft. Mit dem Appartment Schirnaublick kurz vor Schirnau habe ich es gut getroffen. Mein kleines Appartment hat Blick auf den versteckt liegenden Schirnauer See. Den Abend lasse ich chillig und Wasservögel beobachtend ausklingen.  

Etappe 3

Sehr früh geht es los zur dritten Etappe, die am Nord-Ostsee-Kanal (kurz NOK) entlang führen wird. Das Ausland nennt ihn Kiel Canal, weil er in Kiel beginnt. In Brunsbüttel mündet der Kanal in die Nordsee. Der Seeweg, der früher um Dänemark ging, wurde durch den Bau vor 125 Jahren enorm verkürzt. Geplant wurde er einst von Bismarck und zwar aus militärischem Kalkül. Insofern macht die Statue auf dem Aschberg Sinn. Es ist schön, am Kanal auf gut befestigtem Wirtschaftsweg entlang zu gehen. Gelegentlich tuckert ein Schiff vorbei. Richtig große Pötte sind nicht dabei, eher Kümos.

 

Ich bin gerade schön im Wanderflow, als Sehestedt, dem durch den Kanal getrennten Ort, auftaucht. Wohnmobile parken auf für sie reservierten Plätzen direkt am Kanal. Oberhalb hat das fast futuristisch wirkende "Markt Treff" bereits geöffnet. Zeit für Kaffee und Brötchen - natürlich mit Mundschutz wegen der immer noch grassierenden Corona-Gefahr.

 

Gut gestärkt geht es den Kanal weiter entlang. Der Himmel ist verhangen, eine leichte Brise kühlt von vorn - ideale Bedingungen zum Kanalwandern, denn Schatten gibt es auf diesem Abschnitt keinen.

 

Bei Großkönigsförde ist plötzlich Schluss mit Kanalgucken, ein Bauzaun versperrt das Weiterkommen direkt am Weg. Passanten meinen, auf dem bis Achterwehr gesperrten Stück wird gebaut, um den Kanal zu verbreitern (s. NDR-Beitrag). Für Kilometer geht es nun durch das Landesinnere. Landschaftlich zwar reizvoll, ist der Weg ansonsten beschwerlich, denn schön ist es nicht, auf Asphalt zu gehen. Glücklicherweise ist wenig Verkehr auf den schmalen Straßen.  Und es ist merklich wärmer dort. Markiert wurde der Naturparkweg für den Umweg (noch) nicht, den Weg muss man selber suchen.

Ich entscheide, bis Schinkel zu gehen. Ein Glück, denn dort treffe ich auf eine süße Backstube. Leckere Brötchen und frischer Kaffee lassen die Motivation zurück kehren, weiter zu gehen. Der Weg wird nun auch wieder besser. Der Pfad mit dem lustigen Namen "Kippenwech" geleitet mich zurück zum Kanal.

In Achterwehr ist eine der vierzehn Kanalfähren, die kostenfrei auf dem Kanal hin und her schippern, um Fahrzeuge, Motoräder, Fahrradfahrer und Fußgänger von einer Seite zur anderen zu befördern. Die Benutzung ist seit Anbeginn kostenfrei.

Auf der anderen Kanalseite muss ich ein kurzes Stück zurück, um schließlich an der Schleuse Strohbrück dem Kanal Lebwohl zu sagen. Damit verlasse ich den Naturpark "Hüttener Berge", dessen südliche Grenze der NOK darstellt.

Nun geht es in südlicher Richtung auf einem waldreichen Weg zwischen Eider und Flemhuder See weiter. Eindringlich wird mir vor Augen geführt, welche Veränderung die Eider durch den Kanalbau vor 125 Jahren erfuhr.

Mit der Naturidylle ist Schluss, als die Autobahn unterquert wird. Ein kurzes Stück noch an der belebten Landstraße Richtung Achterwehr, dann ist die Tour für mich am Gasthof Beckmann zu Ende. Hier werde ich abgeholt.


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Wandern auf dem E1
146 Tage  | 3.429 km
Grövelsjön (Schweden) <-> Pavia (Italien)
Stand: 03/2020




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