Hamburgs Grünes Netz: die Reiherstieg-Achse

schon lange plant Hamburg "Den Sprung über die Elbe". Die Reiherstieg-Achse liegt mitten drin.
schon lange plant Hamburg "Den Sprung über die Elbe". Die Reiherstieg-Achse liegt mitten drin.

Vom Harburger Rathaus geht es über die Wilhelmsburger Elbinsel nordwärts. Oft führt der Pfad am Wasser entlang, doch an den Reiherstieg selbst kommt man kaum heran.

Quelle: Gustav Adolf von Varendorf, Public domain, via Wikimedia Commons
Quelle: Gustav Adolf von Varendorf, Public domain, via Wikimedia Commons

Einst lag eine große Flussinsel in der Elbe - Gorieswerder. Sie erstreckte sich von Finkenwerder bis Kaltehofe, war bewohnt und eingedeicht. Im Laufe der Jahrhunderte traktierten Sturmfluten Gorieswerder, die nach und nach zu mehreren kleinere Inseln zerfiel (s. Karte von 1790). Ab dem 17. Jahrhundert siedelten sich immer mehr Werften und Industriebetriebe an, die Gewässer zwischen den Inseln wurden kanalisiert und schiffbar gemacht. Die Landschaft veränderte sich innerhalb von drei Jahrhunderten radikal. Wilhelmsburg entstand - ein Konglomerat aus Hafen, Industrie, Gewerbe und Wohnungsbau, das erst zu Frankreich, dann zum Königreich Hannover, danach zu Preußen gehörte, eine kurze Weile mit Harburg die Großstadt "Harburg-Wilhelmsburg" war, um schließlich Stadtteil von Hamburg zu werden. Heute ist die Elbinsel Wilhelmsburg dem Bezirk Hamburg-Mitte zugeordnet.

Im Zentrum Hamburgs liegt die Region damit sicher noch nicht, doch das mag noch kommen. Seit 2000 ist mit dem Leitbild "Sprung über die Elbe" ein Prozess eingeleitet, der die Elbinsel Wilhelmsburg immer stärker an die dynamischen Entwicklungen der Metropole Hamburg anbindet. Die Reiherstieg-Achse liegt in dieser Entwicklung mittendrin.


Meine Wanderung auf der Reiherstieg-Achse

Über die Landschaftsachse "Reiherstieg" ist im Internet nicht viel zu finden und eine GPX-Route sucht man vergebens. Lediglich im Landschaftsachsenmodell (Konzeptkarte von 1985) taucht die Reiherstieg-Achse auf. So lasse ich die Tour dem Lauf des Reiherstiegs folgen. Am Harburger Rathaus geht es los und bald ist der Reihenstieg erreicht. Doch Industrieanlagen hindern den Wanderer, ihm nordwärts zu folgen. Das tut der Tour jedoch keinen Abbruch.

Die grünen Highlights der Reiherstieg-Achse in einer Google Maps Karte. 


Die Tour auf Komoot

Die Reiherstieg-Achse hat einige Höhepunkte zu bieten:

  • Harburger Binnenhafen: der liebenswerte kleine Hafen, jahrzehntelang vernachlässigt, wird derzeit wiederbelebt.
  • Alte Harburger Elbbrücke: die mehr als 100 Jahre alte Brücke ist heute den Fußgängern und Radfahrern vorbehalten. Von der Brücke hat man einen tollen Blick auf die Süderelbe.
  • Wilhelmsburger Inselpark: nach dem Ende der Internationalen Gartenschau (igs, 2013) wurde das ehemalige Gartenschau-Gelände als Wilhelmsburger Inselpark der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Langgestreckt bietet der Park viel Grün- und Wasserflächen - kostenlos.
  • Veringkanal: 1894 wurde der Kanal gebaut, um die sich entwickelnde Hafenindustrie zu versorgen. Der Kanal bildet eine Grenze zwischen der lauten Hafenindustrie und den Arbeitersiedlungen, die in Wilhelmsburg entstanden. Seit 2008 existiert eine durchgängige Wegeverbindung von der historischen Schleusenanlage im Süden bis zur Honigfabrik am nördlichen Ende des Kanals. Fast immer geht es direkt am Kanal entlang. Man kommt an alten Industrieanlagen und kleinen Parks vorbei.
  • Ernst-August-Schleuse: der Veringkanal reichte ursprünglich bis zum Reiherstieg, kurz zuvor vereinte er sich mit dem Ernst-August-Kanal, der seit dem Ausbau des Reiherstieg-Hauptdeichs heute über die Ernst-August-Schleuse mit dem Spreehafen verbunden ist. Die neue Schleuse mutet wie ein Vorbote der bevorstehende Veränderungen futuristisch an.
  • Klütjenfelder Radwegbrücke: zwischen dem Reiherstiegviertel und der Hamburger Innenstadt ist seit 2012 eine Wegeverbindung für Fahrradfahrer geschaffen worden. Die 247m lange Brücke ist ein Teil davon. Als Wanderer kann man die Brücke natürlich auch benutzen. Grün ist es hier zwar nicht, aber man hat einen grandiosen Blick in beide Richtungen des Reiherstiegs.

Was anschließend dem Reiherdamm Richtung Norden folgt, erlebt Hafen pur. Grünflächen gibt es hier nicht. Stattdessen viel LKW-Verkehr, Containerabstellflächen, Gewerbebetriebe. Wer Hafenatmosphäre mag, ist hier richtig. Für die anderen gibt es unter der Argentinienbrücke die Linie 73. Eine HADAG-Fähre bringt einen den Reiherstieg hinauf zur Elbe und den gegenüber liegenden Landungsbrücken  - allerdings nur werktags. 

Doch wer sich den Reiherdamm hochkämpft, wird belohnt:

  • Bornsteinplatz: auf der Rückseite des Alten Elbtunnels liegt ein Aussichtpunkt. Auch wenn es hier etwas rumpelig ausschaut und wenig grün ist, ein grandioser Blick auf die andere Elbseite ist garantiert. An guten Tagen muss man sich den Platz mit vielen Schaulustigen teilen.
  • Alter Elbtunnel: wer schwindelfrei ist, wählt eine der beiden offen liegenden Treppen, um in die Tiefe zu gelangen. Die anderen wählen einen von vier Lastenaufzügen oder einen der zwei Personenaufzüge. Unten angekommen, geht es durch eine von zwei Röhren mehr als 400m unter der Elbe entlang. 1911 gebaut, war der Tunnel lange Zeit wichtig für den Transport der Hafenarbeiter - zu Fuß, per Rad oder mit dem Auto. Derzeit wird der Tunnel saniert, eine Röhre erstrahlt bereits wieder im alten Glanz. Und das kann man wörtlich nehmen. Die Durchquerung ist ein besonderes Erlebnis und heute nur noch Fußgängern und Radfahrern vorbehalten. Was für ein Glück.

An den Landungsbrücken endet diese spannende Tour.

Mein Fazit

Durchgängig grün ist der Weg nicht, doch ist es spannend, die Meilensteine, die sich aus dem Leitgedanken "Sprung über die Elbe" entwickelt haben, zu entdecken. Wer Fantasie hat, kann sich während der Wanderung vielleicht vorstellen, wie sich die größte Insel Europas in ein paar Jahren entwickelt haben mag. Vielleicht gelingt er ja - der Sprung über die Elbe.

Prädikat: wer den Umbruch mag, ist hier richtig.


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