Hamburgs Grünes Netz: die Bille-Achse

Die Achse folgt der Bille (Bild aus: Stadtentwicklungsprojekts „Stromaufwärts an Bille und Elbe“
Die Achse folgt der Bille (Bild aus: Stadtentwicklungsprojekts „Stromaufwärts an Bille und Elbe“

Die Bille ist - neben Elbe und Alster - die drittgrößte Flusslandschaft in Hamburg. Als Teil des Hamburger Grünen Netzes folgt die Landschaftsachse der Unteren Bille.

Die Untere Bille wurde in ihrem Lauf durch mehrere Hamburger Stadtteile von Menschenhand stark verändert. Es entstand ein verzweigtes Kanalsystem. Auf halber Strecke liegt die Billerhuder Insel, die durch den Bau des Bullenhuser Kanals erst Anfang des 20. Jahrhunderts entstand. Zusammen mit der östlich angrenzenden Horner Marsch liegt hier das größte zusammenhängende Kleingartengebiet Europas - eine Grüne Oase in der Stadt.

Der östliche Teil Hamburgs ist seit Jahren schon im Fokus der neuerer Stadtentwicklung. Die Stadtteile Hammerbrook, Rothenburgsort, Borgfelde, Hamm, Horn, Billbrook und Bill­stedt sind Entwicklungsgebiete für neuen Wohnraum, Industrieansiedlungen und Gewerbestrukturen. Die existierenden natürlichen Freiräume - Ufer an Flussläufen und Kanälen, Parks und Grünzüge sollen neu gestaltet und zugänglich gemacht werden. 

Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt hat der Öffentlichkeit 2014 das Konzept  "Stromaufwärts an Elbe und Bille - Wohnen und Produktion in HamburgOst" vorgestellt. 

Das Video fasst es gut zusammen:

Stromaufwärts an Elbe und Bille. Entwicklungspotentiale für Wohnen, Arbeiten und Leben an Wasser und Grün
Stromaufwärts an Elbe und Bille. Entwicklungspotentiale für Wohnen, Arbeiten und Leben an Wasser und Grün
Konzeptbroschüre (PDF, 16MB):  (Quelle: Hamburg, Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen)
Konzeptbroschüre (PDF, 16MB): (Quelle: Hamburg, Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen)
Der Senat legt Pläne zur Entwicklung des Hamburger Ostens vor (2014)
Der Senat legt Pläne zur Entwicklung des Hamburger Ostens vor (2014)


Meine Wanderung auf der Bille-Achse

Was wurde aus dem Konzept Stromaufwärts an Elbe und Bille verwirklicht? Hat es sich positiv auf den Grünzug ausgewirkt? Ich zog los, den Grün-Grad der Landschaftsachse Bille zu checken.

Die grünen Highlights der Bille-Achse habe ich in einer Google Maps Karte aufbereitet. 

Eine offizielle Wegebeschreibung für die Bille-Achse habe ich nicht gefunden, doch der Streckenverlauf ist relativ klar: es kann ja nur die Untere Bille entlang gehen.

Landschaftsachsen verlaufen zwischen dem ersten und zweiten Grünen Ring, die um die Hamburger City im Abstand von 1 bzw. 10 km herum führen. Davon abweichend lasse ich meine Bille-Tour an der Lohmühlenstraße starten, dort, wo im 17.Jhd. das Neue Werk St. Georg schützte.

  • Der Lohmühlenpark ist gleich das erste grüne Highlight der Strecke. Er verbindet die Alster entlang der ehemaligen Wallanlage "Neues Werk" mit dem Berliner Tor. Dort ist der verkehrsreiche Steindamm zu queren. Weiter geht es durch den kleinen und vernachlässigten Park "Am Berliner Tor" runter zur ebenfalls verkehrsreichen Eiffestrasse, rüber zum spektakulären Berliner Bogen, wo das Hochwasserbassin beginnt, das Hamburg vor Überschwemmung schützen soll. 
  • Am Ufer des Bassins entlang führt der langgestreckte Stoltenpark. Auf einem grünen Weg sind moderne Hausboote zu bewundern, die im Hochwasserbassin fest vertäut liegen.
  • Am Alten Recyclinghof ist ein kleiner Experimentierpark entstanden, der von der ARGE HALLO:PARKS gestaltet wird. "Immer wieder neu, immer wieder anders" lautet das Konzept. Hier wird bürgernah getestet, wie zukünftige Parks aussehen könnten. Das Ziel der ARGE ist die Ausgestaltung des Alster-Bille-Elbe-Parks, der einen neuen Grünzug von Alster über Bille zur Elbe werden soll. Die schon durchwanderten Parks sind Teil davon.
  • Die nächsten 1,5km geht es durch Gewerbegebiet. Grün ist hier kaum zu finden und an den Billebogen, der nördlich meiner Strecke liegt, kommt man nicht heran. Doch die Gedenkstätte Bullenhäuser Damm lohnt den Besuch. Hier stehen Informationstafeln, die über die Arbeit der BBEG Auskunft geben. Die BBEG hat den Auftrag, das Areal zwischen Elbbrücke und Billebecken zu entwickeln. Es ist noch viel zu tun.
  • Auf einer "Blauen Brücke", einer von sieben farbigen Brücken, auf denen man die Bille überqueren kann, kommt man über den Bullenhuser Kanal auf die Billerhuder Insel. Es ist ein 300.000qm großes, dreieckiges Areal voller Schrebergärten, durch die grüne Wege verlaufen. Am Westufer gibt es Wassersportvereine. Hier ist es schön grün, doch an das Billeufer kommt man nicht heran.
  • Über die "Braune Brücke" wechselt man auf die Horner Marsch, eine der größten zusammenhängenden Kleingartenansiedlung Europas mit ca. 1.000 Parzellen. Es ist ein riesiges, grünes Areal, durch das man auf asphaltierten Wegen spazieren kann. Hier ist man vermutlich im Herzstück der Landschaftsachse.
  • Mittels der "Blauen Brücke" wechselt man wieder die Billeseite. Was folgt, ist unschönes Gewerbegebiet. Nur der Uhrturm der Firma Commentz & Co., das Wahrzeichen Billbrooks und eines der zehn ältesten Industriedenkmäler der Stadt, erhellt hier das Gemüt. Nix Grün!
  • Die "Gelbe Brücke" führt noch einmal auf die nördliche Seite der Unteren Bille. Eine Uferpromenade, gespickt mit zahlreichen Bänken, führt nun am Kanal entlang. Nur wenig entfernt leider auch die stark befahrene Bergedorfer Straße. Eine Lärmschutzwand tut hier not, um das grüne Idyll zu beruhigen. So ist es ein lautes Vergnügen, am Kanal entlang zu wandern.

Nach 9,5 km stößt die Landschaftsachse Bille am Schleemer Bach auf den 2. Grünen Ring. Hier endet die Tour. Der Fluss aber strebt weiter - nun als "Obere Bille", fließt durch die Boberger Niederung und den Sachenwald. Die Bille-Quelle liegt in Linau.


Die Tour auf Komoot enthält weitere Bilder

Mein Fazit:

das Grüne Potential, welches in der Landschaftsachse "Bille" steckt, wurde bisher nicht entwickelt. Die auf der Achse liegenden Parks wirken ungepflegt, an das Bille-Ufer kommt man nicht heran, die großen Gewerbeflächen, durch die die Achse führt, wirken abstoßend. Wer Kleingärten mag, wird sich auf dem großen Areal der Billerhuder Insel oder der Horner Geest, dem großen Herz der Achse, wohl fühlen. Der Promenadenweg am Ende der Tour führt schließlich doch noch an die Bille heran, aber einen grünen Genuss hat es wegen des nahen Verkehrslärms hier auch nicht nicht recht.

Die Arbeiten der ARGE: PARKS und der BBEG machen Mut, dass der bisher noch verborgene Grüne Schatz der Billeachse bald gehoben wird.

Prädikat: derzeit nur für Hartgesottene zu empfehlen.


LINKS

die Bille
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