E1-S-02-Schweden - Bohusleden

auf dem Bohusleden nach Göteborg
auf dem Bohusleden nach Göteborg

Was habe ich seit der letzten Tour hin und her überlegt, wie es weiter gehen könnte. Wie viele Pläne habe ich geschmiedet und wieder verworfen.

Am Ende kam ich zu dem Schluss: der nördliche Teil des E1 ist wohl nichts für mich. 

Vermutlich ist es meinem Nordkoller geschuldet, dass meine E1-Wanderung nun in Göteborg endet.

Der Bohusleden führt durch das Bohusläneiner Provinz in Westschweden nördlich von Göteborg. Die Grenze zum Halland verläuft südlich von Lindome am See Blätvättnerna, wo der Hallandsleden nahtlos in den Bohusleden übergeht. Lediglich ein Hinweisschild und die nun orangefarbene Farbmarkierung zeigt an, dass man den Trail wechselt. Über 360 Kilometer schlängelt sich der Bohusleden von Lindome in nördliche Richtung nach Strömstad. Der E1-Wanderer geht davon jedoch nur ein kurzes Stück, schon nach 23 Kilometern wechselt der E1 östlich von Göteborg auf den Vildmarksleden.

Meine Etappe wird kürzer sein, denn mein Ziel ist Göteborg, wo meine Wanderung enden soll.

Tag 106 auf dem E1

Wanderbericht

Nachdem ich nach reiflicher Überlegung zu dem Schluss kam, dass ich nicht weiter auf dem E1 wandern werde, muss ich dennoch noch einmal zum letzten Zielpunkt zurückkehren, um noch ein kleines Stück auf dem Fernwanderweg zu wandern. Schließlich möchte ich mich ordentlich von dem Weg, der mich fünf Jahre geleitet hat, verabschieden.

Als ich recht spontan für Samstag ein Bahnticket kaufen möchte, merke ich schnell, dass das in der Hauptreisezeit alles andere als einfach ist. Obwohl ich, wie schon beim letzten Mal, wieder einen Nachtzug nehmen möchte, stelle ich bald fest, dass sämtliche Züge restlos ausgebucht sind. Nach langer Suche finde ich doch noch eine leidlich passende Verbindung von Hamburg nach Malmö. Obwohl nur 1. Klasse möglich ist und es damit recht teuer wird, greife ich zu. Von dort komme ich schon weiter zu meinem Ziel Lindome.

Es stellt sich als gute Wahl heraus, denn die zweite Klasse der Züge, die ich benutze, sind rappel voll, während ich in der ersten Klasse relative Ruhe genieße.

Etwas verrückt ist es schon, was ich an diesem Wochenende tue, denn der Anfahrtsweg ist lang. 

In Flensburg genieße ich einen langen Zwischenaufenthalt für einen Besuch im Hafen, um Schiffe zu gucken. Am Abend geht es weiter. Über Fredericia und Kopenhagen nach Malmö, was ja schon in Schweden liegt. Da dort mein DB-Ticket endet, kaufe ich mir am schwedischen Automaten eine Fahrkarte nach Mölndal, denn Lindome, wo ich ja eigentlich hin will, wird nicht angeboten.

Mit einem Nachtzug schaffe ich es noch bis Helsingborg, dort strande ich um ein Uhr nachts. Von hier geht es erst morgen früh weiter. 

Rathaus im Morgengrauen
Rathaus im Morgengrauen

Für ein Hotel ist die Nacht schon zu kurz, doch darauf war ich eingestellt. Jedoch kann eine Nacht lang werden, wenn man keinen Schlafplatz findet. Im Bahnhof sorgt der Sicherheitsdienst für Ordnung und draußen auf einer Bank zu übernachten, traue ich mich nicht. So schlendere ich durch die von Partygästen belebte Innenstadt, sehe mir das Rathaus im Morgengrauen an, besteige die hell erleuchtete alte Burg, die derzeit restauriert wird, schaue einer Fähre nach, die den Hafen verlässt. Zwischendurch sitze ich auf Bänken herum und die Zeit zieht sich zäh wie Kaugummi.

Möndal Hafenausfahrt am frühen Morgen
Möndal Hafenausfahrt am frühen Morgen

Um vier Uhr ist es bereits wieder hell. Ich bekomme Hunger, bereite mir an der Hafenmole ein Müsli und koche Kaffee So vergehen weitere vier lange Stunden. Geschlafen habe ich dank des Sicherheitsdienstes in dieser Nacht nicht.

Um acht Uhr geht es weiter, zwei Stunden später erreicht der Zug Mölndal. Eigentlich sollte ich jetzt mit einem Gegenzug zurück nach Lindome fahren. Die Fahrt würde nur fünf Minuten dauern, aber auf den Zug müsste ich eine halbe Stunde warten. Ein Ticket müsste ich auch noch lösen.

So liegt es nahe, die Etappe hier in Mölndal zu starten. Das spart acht Kilometer ein. 

Stenjön
Stenjön

Am See Stenjön treffe ich auf den Bohusleden, der mich zum Schloss Gunnebo geleitet. Nach meiner ursprünglichen Planung wollte ich hier eine Rast im Café einlegen, doch es zieht mich weiter, ich bin ja erst drei Kilometer gegangen. 

Norra Långevattne
Norra Långevattne

Am Norra Långevattne zeigt der Bohusleden, was er drauf hat. Obwohl halbseitig von Autobahnen eingerahmt, liegt der See still und wie unberührt da. Der Bohusleden schlängelt sich am steinigen Ostufer entlang.

Doch so recht habe ich für die Schönheit des Weges kein Auge mehr. Ich bin müde und möchte nur noch ankommen. Mit dem Weg habe ich längst abgeschlossen und was ich hier tue, erscheint mir jetzt, wo ich da bin, nur noch als selbst auferlegte, lästige Pflicht. Wo ist der Spaß am Wandern geblieben?

Ich verlasse den Weg vorzeitig an einer Stelle, die besonders romantisch ist. Anstatt noch ein Stück weiter auf dem wilden Bohusleden zu gehen, wähle ich den einfachen Radweg, der mich schnell Richtung Göteborg bringt.

Vergnügungspark Liseberg
Vergnügungspark Liseberg

Durch ein schönes Wohngebiet nähere ich mich der Innenstadt, werfe schnell noch einen Blick auf Liseberg, dem größten Vergnügungspark Nordeuropas und dann stehe ich vor dem Bahnhof.

mein Terminus auf dem E1: Göteborg Centralstation
mein Terminus auf dem E1: Göteborg Centralstation

Göteborgs Centralstation wird zum Terminus meiner Wanderung, zum Endpunkt einer fünfjährigen Wanderung auf dem E1. 

Ich halte mich nicht lange auf, sondern besteige zügig den nächstbesten Zug nach Kopenhagen. Zwölf lange Stunden später bin ich zurück von meiner Eskapade. Todmüde und erschöpft falle ich ins Bett.

Als ich gegen Mittag nach bleischwerer Nacht wieder erwache, fühle ich mich nicht glücklich, wie es zu einem Abschluss eigentlich sein sollte. Aber ich bin mit dem Ausgang zufrieden.

Links




Wandern auf dem E1:

in bisher 106 Tagen 2.515 km

durch vier europäische Länder.

Drymat



mein Kanal: Michael-wandert
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