Hallandsleden (E1-S1)

der Hallandsleden - wild romantisch und gut markiert
der Hallandsleden - wild romantisch und gut markiert

Der Hallandsleden verläuft durch die waldreiche Provinz Halland im südöstlichen Schweden. Er ist insgesamt 380km lang, der E1 stößt etwa auf der halben Wegstrecke dazu. Von Varberg geht es bis zu einem kleinen See kurz vor Lindome an der Provinzgrenze, dort - mitten im Wald - wechselt man nach 130km für ein kurzes Stück auf den Bohusleden.

6 Etappen auf dem Hallandsleden

Charakteristik

Ab Varberg geht es die ersten östlich verlaufenden zwanzig Kilometer zunächst durch Vororte und dann auf asphaltierten Wegen an Feldern und Wiesen entlang. Im weiteren Verlauf der Strecke geht es überwiegend durch waldiges Gebiet, durch den der Weg auf breiten Forstwegen oder verschlungenen Waldpfaden geführt wird. Gelegentlich trifft man auf asphaltierte Strassen, öfters auf grobe Schotterwege, die auch immer dann in den Wäldern vorkommen, wenn Rodungsarbeiten bevor stehen oder bereits gewütet haben. Die Waldwirtschaft wird hier intensiv betrieben, weshalb man gelegentlich auch über frisch Rodungsflächen gehen muss, was nicht anheimelnd wirkt. Ein Wegstück führt unter Überlandleitungen entlang. Man kommt an Seen und Tümpeln vorbei, meist idyllisch und einsam gelegen. Sind sie mit Fahrzeugen erreichbar, werden sie bei gutem Wochenendwetter gerne von Einheimischen aufgesucht. Baden kann man in den wenigsten Seen, entweder weil sie nicht zugänglich sind oder weil das Wasser aufgrund des moorigen Geländes so braun gefärbt ist, dass man den Untergrund nicht sehen kann. Aber die Mutigen trauen sich bestimmt hinein, ich war da eher vorsichtig. Einige Badestellen gibt es aber auch.

Übernachtungen

Auf dem Hallandsleden bietet es sich an, im Zelt und/oder Sheltern zu übernachten. Meine Stationen waren diese (km-Angabe von Varberg aus):

Åkkula Friluftsgard (21km), 1. Etappe, Übernachtung

Eine einfache Hütte gibt es (ohne Verpflegung) für kleines Geld (<30€). Bezahlt werden kann mit Kreditkarte. Frühstück und Abendbrot gibt es auf Wunsch auch. Sanitär, Küche, Dusche. Man kann auch ein komfortables Zimmer nehmen. Ich war an einem Donnerstag dort, es war nicht los. Ab Freitag über das Wochenende sollte es ausgebucht sein, meinte die Dame an der Rezeption.

Schutzhütte Gällarpesjon, 38km, 2. Etappe, Mittagspause

Ein Shelter im schattigen Wald in der Nähe eines kleinen Sees. Trocken und recht sauber. Feuerstelle vorhanden, aber keine Toilette. Wasser kann im nahen See geschöpft werden. Baden nur für Mutige.

Dorf Jytatorp, 47km, 2. Etappe, Übernachtung

Jytatorp ist ein kleines Dorf nahe des Sees Mäsen. Hier stehen viele Wochenendhäuser. Die Menschen dort sind nett und erlauben das Übernachten mitten im Dorf am Sportplatz. Sie haben sogar eine Zapfstelle für Frischwasser eingerichtet. Der Brunnen holt Quellwasser aus 80 m Tiefe, erzählte mir ein Bewohner.

Es gibt eine Feuerstelle, Bänke und einen Tisch. Total ruhig in der Nacht.

Wanderheim Stättereds, 77km, 3. Etappe, Übernachtung

Als ich hier am Samstag ankam, war die gesamte Anlage für das Wochenende von Privat gemietet. An normalen Tagen ist sicher auch ein Wanderer willkommen. Weil es in Schweden das Jedermannsrecht gibt, durfte ich auf dem Parkplatz campen und Toilette und Waschbecken benutzen. Echt nett von den Leuten.

Abends kamen Kühe vorbei und lugten neugierig über den Zaun und die Schafe blöckten mich in den Schlaf.

Shelter bei Aeskulat, 93km, 4. Etappe, Mittagspause (im Hofmuseum)

Ein feines, sauberes Shelter mit Bank und Feuerstelle. Plumsklo nebenan, ebenso eine öffentliche Toilette, in der man auch Frischwasser bekommt. In der Nähe ist das Hofmuseum Aeskulat, wo es Kaffee, Kuchen und kleine Snacks gibt. Und viel zu sehen.

See Lygern, 102km, 4. Etappe, Übernachtung

da in Schweden das Jedermannsrecht gilt, darf man direkt am See übernachten. Frischwasser und eine Toilette gibt es im nahe gelegenen Museum Naturum Fjärås Bräcka oberhalb des Sees. Eine Badestelle ist vorhanden, die gerne von Einheimischen bis spät abends besucht wird. 

Shelter am Stora Hassungaredssjön, 124km, 5. Etappe, Übernachtung

ein Shelter direkt am Stora Hassungaredssjön, das schon am Bohusleden gelegen ist. Ein Stichweg führt die 600 m direkt zum See.

Was zunächst nach einer Offenbarung ausschaut, erweist sich beim Näherkommen als baufällig Hütte, die aber noch dicht hält. 

Ausstattung: Tisch, Bank und Schlafbank, Grillplatz, keine Toilette, Wasser aus dem See.

In der Hütte war ein kleines Wespennest, deshalb habe ich es vorgezogen, im Zelt zu schlafen.

Nach dem ausgiebigen Regen des Tages gab es am See viele kleine Krabbelmücken, die nervig waren, in die Ohren krabbelten und in die Haut kniffen. Sie waren so klein, dass sie durch das Mash meines Innenzeltes krabbeln konnten. Der Abend am See war nicht so romantisch, wie es aussschaut und die Nacht war nervtötend.

Nachts hörte man Fluglärm vom Flugplatz Göteborg und etwas Straßenlärm. Das hat aber weit weniger gestört als die Krabbelviecher.

Einkaufen

Auf der 130km langen Strecke gibt es - abgesehen vom Startpunkt Varberg und Zielort Lindome - nur eine Möglichkeit im Tempo-Supermarkt in Fjärås, der gut sortiert ist.

Cafés

Die Möglichkeiten, Kaffee, Kuchen oder Snacks zu genießen, treten etwas geballt auf:

  • Äskulat, Hofmuseum, km 93
  • Museum Naturum, 104km
  • Fjäras: Aesa Hembageri, km 110

Kirchen

Man kommt an zwei schönen Kirchen vorbei.


Wanderbericht

Im Mai 18 konnte ich nach einer mir unendlich lang erscheinenden Winterpause den Weg auf dem E1 fortsetzen. Mit dem Zug ging es über Dänemark nach Varberg, um die Wanderung durch Schweden mit dem Hallandsleden zu beginnen.

Ich wollte bis Göteborg kommen oder noch weiter. Doch nach ein paar Tagen befiel mich abermals - wie schon in Dänemark - ein sonderbarer Koller, der mich in den Nordländern offenbar so leicht überkommt. Nach nur fünf Etappen (130km) war kurz vor Göteborg in Lindome Schluss; ich hatte einfach keine Lust mehr zum Wandern. Es lag vermutlich in der ungewohnten Mischung aus Einsamkeit, sintflutartigen Regenfällen, schwüler Hitze und vor allem aber an diesen kleinen, fiesen "Kribbelmücken", die mich am letzten Abend heimsuchten. Darauf war ich nicht vorbereitet. Mücken dagegen waren nur ein kleines Ärgernis.

1. Etappe (Tag 100 auf dem E1)

Nach einer langen Zugfahrt durch die Nacht komme ich morgens in Varberg an. Der Ort gibt nichts her, das merkt man gleich. Also zügig los, vorher noch schnell etwas Müsli auf dem Friedhof gefrühstückt (dort gibt es Frischwasser und ein WC). Es geht auf breiten Wegen flott voran. Zunächst durch Varbergs Vororte, später an Feldern und Wiesen vorbei. Von oben brennt die Sonne (28 Grad) und im Kreuz zerrt der zu schwere Kumpel, mein treuer Rucksack. Nach 14km komme ich in Rolfstorp an einer Bushaltestelle (Stationsvägen) vorbei. Bis hierher hätte ich auch gut und gerne mit dem Bus fahren können, wenn ich es vorher gewusst hätte. Die Verbindung ist gut, der Weg bis hier nicht sehr spannend. Schon um 15 Uhr komme ich am geplanten Etappenziel an: Åkkula Friluftsgard, einem Freizeitcamp, in dem ich mir eine kleine Hütte als Selbstversorger (235 SKr = ~23€) miete. Eigentlich wollte ich noch weiter, die nächste Schutzhütte ist aber noch 20km entfernt. Hätte ich den Bus genommen, wäre das gegangen. Åkkula liegt direkt am See. Ein Sprung in den gar nicht mehr kalten See, dessen Wasser vom moorigen Umland braun gefärbt ist, macht mich wieder munter. Von der langen Anfahrt über Nacht und der Wanderung in der Hitze bin ich ziemlich fertig gewesen. Danach ein Schläfchen und etwas Warmes aus der Tüte, so beleben sich die Geister wieder. Den Abend verbringe ich ruhig, während mein Blick beschaulich über den See schweift. Los ist hier heute nichts, erst am Freitag, also morgen, wird die Anlage ausgebucht sein. Da habe ich doch Glück gehabt!

2. Etappe (Tag 101 auf dem E1)

Der Hallandsleden scheint ein schöner Weg zu sein. Forstwege und verschlungene Waldpfade halten sich die Waage. Doch der schwedische Forstarbeiter ist gelegentlich des Wanderers Feind, denn an manchen Stellen, wo Bäume im großen Stil geschlagen wurden, ist das Fortkommen fast unmöglich. Bäume liegen kreuz und quer über dem Weg (Korrektur: im späteren Verlauf des Weges sind zwar auch viele Einschlagflächen, aber der Weg ist stets frei geräumt. Ich vermute, während die Forstwirtschaft wütet, ist der Hallandsleden nur schwer begehbar). Der Hallandsleden ist ausgesprochen gut mit roten Bändern markiert, die, um dicke Bäume geschlungen, gut zu erkennen sind. Ein kleiner Sportplatz mitten in dem kleinen Dorf Jytatorp nahe des Sees Mäsen bietet Platz für die zweite Zeltübernachtung. Dort gibt es eine kleine Hütte (abgeschlossen), Sitzplatz, Feuerstelle, Tisch und Bänke. Fließend kaltes Wasser kann man in der Nähe zapfen. Nachts Ruhe pur. Sehr komfortabel. Die Bewohner sind nett und zugänglich. Hier stehen viele Wochenendhäuschen. 

Ach ja: zu den Mücken... Ja, die gibt's hier. Sie nerven auch, sind aber zu ertragen. Das liegt wohl an der trockenen Wärme, die hier seit Wochen herrscht. Die Hitze, die schon seit Wochen herrscht, hat die Sümpfe und Moore ausgetrocknet, so dass der Hallandsleden sehr gut begehbar ist. Normalerweise gäbe es wohl einige Wegstücke, die zu anderen Zeiten unter Wasser stehen. Wasserfestest Schuhzeug ist empfehlenswert! Am Besten Goretex.

3. Etappe (Tag 102 auf dem E1)

Der Hallandsleden präsentiert sich weiter mit breiten Forstwirtschaftswegen, die immer wieder auf verschlungene Waldpfade abbiegen. Ein Deutsch-Schwede meinte, der Hallandsleden sei eine Wanderautobahn. Unrecht hat er damit nicht, aber es sind auch schöne und anspruchsvolle Teile dabei. Manches Mal fühle ich mich an den Schwarzwald erinnert.  Ein Eindruck verfestigt sich: es geht irgendwie immer nur bergauf. Aber das ist natürlich nur subjektives Empfinden. Es mag auch an Kumpel, meinem Rucksack liegen, der immer noch viel zu schwer nach hinten zieht. Nach 15km in der Hitze (25 Grad mindestens) steht eine Bank, kurz vor der Schutzhütte Dranstugan, die ich eigentlich anpeilte. Eine ausgedehnte Mittagspause gibt die nötige Stärkung für den Nachmittag. Es folgen schöne Seen, an denen man gut übernachten könnte. Doch alle guten Plätze direkt am Wasser sind bereits von Schweden belagert. Klar, es ist Samstag und das Wetter bestens. Also geht es weiter zum Wanderheim Stättereds. Es liegt schön: Wald hinten, Wiese mit Kühen und Schafen vorne. Doch für mich ist heute kein Platz mehr frei, denn das Wanderheim ist von einer privaten Gruppe gebucht. Doch ich darf auf dem Parkplatz campen (Jedermannsrecht), auch Frischwasser (warm und kalt) zapfen und das Plumsklo benutzen. Am Abend werde ich von den blöckenden Jungschafen in den Schlaf gesäuselt, während die Kühe noch mal neugierig über den Zaun ins Zelt schauen. 

4. Etappe (Tag 103 auf dem E1)

Früh geht es weiter. Es nieselt, aber dafür ist es nicht mehr so heiß. Irgendwie bin ich heute schlecht motiviert. Der Hallandsleden bleibt, wie gewohnt: breite Wirtschaftswege wechseln sich mit schmalen Waldpfaden ab. Es geht rauf und runter. Meistens rauf, selten runter. Gefühlt jedenfalls. Eine Zeitlang geht es eine Überlandleitungen entlang, das ist nicht so schön. Mittags erreiche ich Äskulat. Statt des erwarteten Shelters finde ich nur ein Klohäuschen vor und bin enttäuscht. Doch etwas höher liegt ein Hofmuseum. Dort gibt es - welch eine Offenbarung - ein Café. Es gibt Sandwich, Kaffee und Kuchen. Ein netter Plausch mit der Bedienung baut mich wieder auf. Nach langer Rast geht es beschwingt weiter. Hinter dem Klohäuschen finde ich später auch die Schutzhütte. Hier könnte man gut übernachten. Alles sauber und ordentlich. Auf breiten Wegen geht es schnell nach Fjärås. Kurz vor dem Ort gibt es - welch ein Luxus an diesem Tag - noch ein Museum mit angegliederter Restauration und Self-Service. Ich wähle eine Suppe, mein heutiges Abendbrot. Heute mal nichts aus der Trockenküche. Hier kriege ich auch eine PET-Flasche, meine Nalgene-Flasche hatte ich in Äskulat vergessen. Dort war ich wohl etwas abgelenkt...

many thanks to Anne and Robert for information and motivation
many thanks to Anne and Robert for information and motivation

Im Museum führe ich ein nettes Gespräch mit Anne und Robert, aktiven Hallandslandgehern aus der Region. Robert joggt den Weg gelegentlich in einem Stück. Gütiger Himmel! Ich kriege gute Tipps zum Hallandsleden, wo es noch Shelter gibt etc. Und die nötige Motivation zum Weitergehen gibts oberndrauf.

Heute aber geht für mich nichts mehr, nur noch die hundert Meter runter zum Strand des Lygnern-Sees. Nahe der sandigen Badestelle finde ich einen Platz zum Campen. Zeit zum Baden (kalt!) im braunen Wasser bleibt auch und dann ab ins Bett, der Mücken wegen. Während ich auf der Luftmatratze liege, krabbeln Insekten auf dem Mash herum. Zecken sind vermutlich auch dabei. Aber sie sind draußen und kommen nicht hinein. Bäh! In der Nacht brist es auf. Wellen gurgeln geräuschvoll auf den Strand und über mir braust das Blätterdach. Das Zelt aber steht gut geschützt im Windschatten. Der Platz ist trotz Ungeziefer eine gute Wahl.

5. Etappe (Tag 104 auf dem E1)

Die Nacht war unruhig, früh bin ich wach. Nach einem morgendlichen Bad geht es weiter. Erst mal zurück zum Museum Naturum, denn dort gibt es eine öffentliche Toilette. Meinen Wasservorrat kann dort auch ergänzen, am Museum gibt es einen Zapfhahn. Die kümmern sich hier gut um die Wanderer, vielen Dank. Dann ein Abstecher zur weißen Kirche, die aber noch geschlossen hat. Also weiter in den Ort Fjärås, in dem man einkaufen kann. Ich brauche zwar nichts, hoffe aber auf einen frischen Kaffee. Der Tempo-Supermarkt macht zwar erst um 9 Uhr auf, aber die gegenüber liegende Bäckerei hat schon geöffnet. Hier gibt es den Kaffee, nach dem ich lechze, dazu ein Sandwich. Ich setze mich in eine Ecke, in der es Steckdosen gibt. Der Himmel ist bewölkt und bisher funktionierte mein Solar-Panel nicht gut. Das ist eine Erfahrung und muss auch mit dem Breitengrad zu tun haben, auf dem ich mich zur Zeit befinde. Nacheinander lade ich alle elektronischen Geräte (Smartphone, Powerbank, Kamera) auf. Dank des vom netten Servicepersonal geliehenes Ladegerät geht es schneller, aber drei drei Stunden muss ich im Café bleiben. 

Kaum bin ich wieder im Wald, da bricht ein Unwetter über mich herein. Ich hatte es schon kommen sehen, doch falsch eingeschätzt. Ich dachte, es zieht vorbei. Noch bevor ich die Regensachen aus dem Rucksack kramen kann, bin ich nass bis auf die Haut. Kaum habe ich den Regenschutz über die nassen Klamotten gezogen, hört der Platzregen wieder auf. Die Regenmenge reicht jedoch, um mir zu zeigen, wie der Hallandsleden normalerweise ist: matschig und voller Schlammlöcher. Kaum habe ich die Schutzhütte am See Stenjö erreicht, da bricht das Unwetter erneut los. Nun gießt es wie aus Eimern. Der Unterstand macht einen soliden Eindruck. Ich könnte bleiben, sogar eine Badestelle ist vorhanden. Doch es ist noch viel zu früh. Zum Glück hört es bald auf zu schütten. Ich kann weiter. Der Hallandsleden folgt breiten Forstwegen, so entgehe erst einmal dem tiefen Matsch. Doch eigentlich ist es eh egal, denn die Wanderstiefel sind vom Regen bereits triefnass, die Strümpfe konnte ich vorhin im Shelter auswringen. Schließlich biegt der Hallandsleden doch wieder auf einen dieser verschlungenen, nun matschigen Waldpfade ein, nach dem Regen geht es dort nur mühsam voran. Heute durfte ich den Hallandsleden wohl so erleben, wie er sich für gewöhnlich präsentiert.

Dann hört der Hallandsleden mitten im Wald auf. Am kleinen See Blåvåtterna endet er mit einem Hinweisschild, jenseits davon beginnt der Bohusleden. Nicht weit entfernt steht ein Shelter einsam und schön direkt am See. Doch es taugt nur an schönen Tagen zum Übernachten, denn es regnet durch`s Dach. Ein Platz für ein Zelt gibt es nicht. Ich gehe weiter und komme nur 2km weiter meinem Etappenziel nahe. Um hin zu gelangen, biegt man vom Bohusleden ab, folgt für etwa 600m einem schmalen Pfad durch das Moor, über das Bretter gelegt wurden. Am Ende ein See. Dort steht die Schutzhütte, zu der ich wollte. Noch regnet es, doch im Moment, als ich sie sehe, bricht die Sonne durch die dichten Wolken. Welch eine Offenbarung! Beim Nähern entpuppt sich die Hütte jedoch als ziemlich baufällig. Im Innern ist noch alles trocken, aber es riecht aber muffig. Es gibt einen Tisch und zwei Bänke, auf einer davon könnte man sogar schlafen. Wäre da nicht das Wespennest, was von der Decke hängt. Eine einzelne Wespe, vermutlich die Königin, summt herum. Eigentlich ist sie ganz friedlich, aber ich ziehe es trotzdem vor, mein Zelt aufzubauen. Das schlechte Wetter zieht ab, der Abend am See scheint sonnig zu werden. So breite ich meine Sachen auf den Steinen zum Trocknen aus. Nach der Materialpflege mache ich mich im Wasser frisch, Schwimmen traue ich mich nicht, wegen der vielen Steine, die man dicht unter Wasseroberfläche erkennen kann. Ich bereite mich auf einen lauschigen Abend am Seeufer vor, krame den Gaskocher hervor, mache Wasser für die Tüte Trockennahrung heiß. Da fallen kleine Kribbelmücken über mich her, die erst meinen Kopf umkreisen und dann in die Ohren, die Kopfhaut - ach überall hin kriechen und zwicken. Irgendein Viehzeug ist hier in Schweden immer unterwegs und nervt. Mal sind es Mücken, mal Fliegen, nun diese kleinen Scheusale. Es vergällt mir das Outdoor-Erlebnis und das ist schade. Um dem Zwicken zu entgehen, wandere ich beim Essen herum. Auch den obligatorischen Tee genieße ich so. Romantisch ist anders! Des Gehens müde verziehe ich mich schließlich ins Zelt. Aber ach du Schreck! Auch im Zelt sind die Viecher! Sie sind so klein, dass sie sich durch das Mash des Innenzeltes zwängen konnten. Eine unruhige Nacht mit wenig Schlaf steht bevor. So kriege ich auch mit, dass es wieder heftig angefangen hat zu regnen.

6. Etappe (Tag 105 auf dem E1)

Die Nacht ist vorzeitig zu Ende, denn kaum wird es hell, sind die Kribbelmücken wieder aktiv. Der Regen hat vor kurzem aufgehört, dicke Tropfen klatschen von den Bäumen auf die Steine am See. Hier muss ich weg, die zwickenden Viechern fressen mich sonst auf. Gedacht - getan. Schnell packe ich ein. Das Zelt kommt nass, der Rest klamm in den Rucksack. Mit klammen Socken in noch feuchten Wanderstiefel zu schlüpfen ist kein Spaß. In einer solchen Nacht bleibt nichts trocken. Zum Abschied sage ich der Wespenkönigin in der Hütte "hej då", dann stapfe ich davon. Der Hallandsleden ist fertig gelaufen und bei mir die Luft raus. Es ist nicht weit bis nach Lindome. Die frisch restaurierte Kirche hat bereits geöffnet, ich entzünde eine Kerze, setze mich in eine Bank. Hübsch ist es hier, wenn man so etwas zu einer Kirche sagen darf. "Was soll ich nun tun?", frage ich mich matt. Eigentlich will ich nur noch zurück. Es reicht mir. Vermutlich wird nur immer weiterer Wald folgen - und davon habe ich gerade die Nase voll. Bestimmt wird der Weg schön sein, aber auch wenig abwechslungsreich. Und die Krabbler, die Hitze, der Regen, die Schwüle. Was mir besonders fehlt, ist ein Kaffee.

"Nach Hause?" , frage ich mich zögerlich, aber laut. Bevor ich endgültig entscheide, möchte ich in Lindome bei einem Kaffee meine Stimmung genau ergründen. Ich lenke meine Schritte in den Ort Lindome, an dem der E1 eigentlich herum geführt wird. Mit gutem Grund, wie sich zeigen wird. Denn der Ort ist nichtssagend, das Einkaufszentrum schrecklich und ein Café ist nirgends zu finden. Damit geht meine Stimmung weiter in den Keller, während am Himmel neue Regenwolken aufziehen. Damit fällt die Entscheidung: Es reicht! Nach Hause. Das war's!

Ich strebe zum nahen Bahnhof, setzte mich in einen Vorortzug nach Göteborg, bin fünfzehn Minuten später schon dort. Zu Fuß wäre es eine Tagesetappe auf dem Bohusleden gewesen. Geschenkt! Ich sitze im Bahnhof und denke die Optionen durch: eine Nacht im Hotel übernachten zum Ausruhen und Sachen trocken? Ich berate mich kurz mit einer Freundin via Whats App. Sie rät zum Bleiben. "Nee, keine Lust mehr!", schreibe ich zurück. "Nicht mal zu einer Stadtbesichtigung."

Ich kaufe ein Bahnticket, setzte mich in den nächsten Zug nach Kopenhagen. Zwölf Stunden später bin ich in Hamburg. Irgendwo zwischen Kopenhagen und Fredericia bereits bereue ich meinen Entschluss. Ich hätte ja wieder umdrehen können, doch darauf komme ich während der Fahrt nicht. Erst jetzt - zu Hause.


Resumé

So endet meine erste Schweden-Tour auf dem E1 ähnlich abrupt wie die durch Dänemark im letzten Jahr. Obwohl das Land schön ist, scheint der Norden nicht für mich gemacht zu sein. Nach nur wenigen Tagen bekomme ich einen Koller. Darüber muss ich jetzt nachdenken. Denn so will ich den noch so weiten Weg auf dem E1 immer weiter Richtung Norden nicht fortsetzen. Es wird ja nicht einfacher werden.

Aber eines ist klar: am Weg selbst liegt es nicht, denn der ist schön zu gehen. Der Grund dafür liegt in mir. Ich habe den Winter, um darüber nachzudenken.


Hallands- und Bohusleden

Tipps zum Weg (english):

- Northern Hallandsleden (1)

Hallandsleden (2)

- Bohusleden

 

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Hallands- u. Bohusleden
mein "Spickzettel" für den geplanten Tourverlauf. Ganz so lief es nicht.
E1-S-01-Hallandsleden.pdf
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Packliste für S-01 - Hallandsleden
geplant war für 14 Tage, tatsächlich wurden es nur 6 Etappen
S_01_Packliste.pdf
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Proviantliste
Die Liste basiert auf eine Voll-Versorgung für 8 Tage. Nach vier Tagen gab es die erste Möglichkeit der Nachversorgung. Es hätte ab da jeden Tag eine Einkaufsmöglichkeit gegeben.
Außer Kaffee, Kuchen und einer Suppe in einem Café und zwei Museumsshops habe ich nicht nachgekauft.
Insgesamt war der Rucksack durch den Proviant zu schwer.
S_01_Proviantliste.pdf
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Wandern auf dem E1:

106 Tage, 2.515 km

durch vier europäische Länder.

Weiter geht es durch Schweden

Drymat



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