E1-Schweden-Hallandsleden

der Hallandsleden - wild romantisch und gut markiert
der Hallandsleden - wild romantisch und gut markiert

Im Mai 18 habe ich endlich - nach einer unendlich langen Winterpause - meinen Weg auf dem E1 fortgesetzt. Ich bin mit dem Zug über Dänemark nach Varberg in Schweden gefahren, um auf den Hallandsleden zu laufen, auf den dort der E1 trifft. Eigentlich wollte ich mindestens bis nach Göteborg wandern, eigentlich sogar noch ein Stückchen darüber hinaus. Aber wie schon im letzten Jahr befiel mich abermals der Wanderkoller, der mich in den Nordländern offenbar so leicht überkommt. Eine Tagesetappe vor Göteborg war in Lindome nach fünf Etappen (130km) schon Schluss, ich hatte einfach keine Lust mehr. rien ne va plus - nichts ging mehr.

 

Daran war nicht die Einsamkeit Schuld, sondern sintflutartige Regenfälle, schwüle Hitze und vor allem aber die kleinen, nervigen "Kribbelmücken", die am letzten Abend an einem idyllischen See beim Campen über mich herfielen. Mücken waren dagegen nur ein kleines Ärgernis.

Halland

Halland ist eine Provinz im südöstlichen Schweden., im Süden grenzt es an Schonen, im Osten an Småland, im Westen ans Kattegat und im Norden Västergötland mit der Stadt Göteborg.

Das Land ist recht flach und sehr waldreich.

Verlauf des E1 auf dem Hallandsleden

Der E1 nutzt den nördlichen Teil des Hallandsleden. Er startet in Varberg und endet etwas unmotiviert im Wald an einem kleinen See kurz vor Lindome. Dort schließt direkt der Bohusleden an, dem der E1 ein kurzes Stück bis kurz vor Göteborg folgt.

Für die Strecke benötigte ich sechs Tage. Hiking Europe setzt eine Etappe mehr an.

Weg-Charakteristika

Der Hallandsleden ist ein insgesamt 390 km langer Wanderweg im Süden von Schweden, der seinen Namen von der Region Halland hat, durch den er verläuft. Er besteht aus schmalen, lauschigen Pfaden sowie kleineren forst- und landwirtschaftlichen Wegen und führt manchmal sogar durch völlig einsame, unwegsame und nahezu unberührte Natur. 

Ab Varberg nutzt der E1 diesen lokalen Wanderweg.

Im Norden - kurz vor Lindome - geht der Hallandsleden in den Bohusleden über.

Ab Varberg geht es die ersten östlich verlaufenden zwanzig Kilometer zunächst durch Vororte und dann auf asphaltierten Wegen an Feldern und Wiesen entlang.

Der weitere Verlauf der Strecke führt überwiegend durch waldiges Gebiet, durch den der Weg auf breiten Forstwegen oder verschlungenen Waldpfaden geführt wird. Ganz gelegentlich wird auf Asphalt gegangen, öfters jedoch auf grobem Schotter, immer dann, wenn Rodungsarbeiten bevor stehen oder bereits gewütet haben. Die Waldwirtschaft wird recht intensiv betrieben, weshalb man öfters einmal über ein frisch geschlagenes Waldgebiet geht, was dann nicht heimelig anmutet. Ein Stück der Strecke führt unter Überlandleitungen entlang. Man kommt an zahlreichen Seen und Teichen vorbei, die meist idyllisch und einsam liegen. Sind sie mit einem Fahrzeug erreichbar, werden sie bei gutem Wetter am Wochenende jedoch gerne von Einheimischen aufgesucht. Baden kann man in den wenigsten Seen, entweder weil sie nicht zugänglich sind oder weil das Wasser aufgrund des moorigen Geländes so braun gefärbt ist, dass man den Untergrund nicht sehen kann. Aber die Mutigen trauen sich bestimmt hinein, ich war da eher vorsichtig. Einige Badestellen gibt es aber auch.

Übernachtungen

Auf dem Hallandsleden bietet es sich an, im Zelt und/oder Sheltern zu übernachten. Meine Stationen waren diese (km-Angabe von Varberg aus):

Åkkula Friluftsgard (21km), 1. Etappe, Übernachtung

Eine einfache Hütte gibt es (ohne Verpflegung) für kleines Geld (<30€). Bezahlt werden kann mit Kreditkarte. Frühstück und Abendbrot gibt es auf Wunsch auch. Sanitär, Küche, Dusche. Man kann auch ein komfortables Zimmer nehmen. Ich war an einem Donnerstag dort, es war nicht los. Ab Freitag über das Wochenende sollte es ausgebucht sein, meinte die Dame an der Rezeption.

Schutzhütte Gällarpesjon, 38km, 2. Etappe, Mittagspause

Ein Shelter im schattigen Wald in der Nähe eines kleinen Sees. Trocken und recht sauber. Feuerstelle vorhanden, aber keine Toilette. Wasser kann im nahen See geschöpft werden. Baden nur für Mutige.

Dorf Jytatorp, 47km, 2. Etappe, Übernachtung

Jytatorp ist ein kleines Dorf nahe des Sees Mäsen. Hier stehen viele Wochenendhäuser. Die Menschen dort sind nett und erlauben das Übernachten mitten im Dorf am Sportplatz. Sie haben sogar eine Zapfstelle für Frischwasser eingerichtet. Der Brunnen holt Quellwasser aus 80 m Tiefe, erzählte mir ein Bewohner.

Es gibt eine Feuerstelle, Bänke und einen Tisch. Total ruhig in der Nacht.

Wanderheim Stättereds, 77km, 3. Etappe, Übernachtung

Als ich hier am Samstag ankam, war die gesamte Anlage für das Wochenende von Privat gemietet. An normalen Tagen ist sicher auch ein Wanderer willkommen. Weil es in Schweden das Jedermannsrecht gibt, durfte ich auf dem Parkplatz campen und Toilette und Waschbecken benutzen. Echt nett von den Leuten.

Abends kamen Kühe vorbei und lugten neugierig über den Zaun und die Schafe blöckten mich in den Schlaf.

Shelter bei Aeskulat, 93km, 4. Etappe, Mittagspause (im Hofmuseum)

Ein feines, sauberes Shelter mit Bank und Feuerstelle. Plumsklo nebenan, ebenso eine öffentliche Toilette, in der man auch Frischwasser bekommt. In der Nähe ist das Hofmuseum Aeskulat, wo es Kaffee, Kuchen und kleine Snacks gibt. Und viel zu sehen.

See Lygern, 102km, 4. Etappe, Übernachtung

da in Schweden das Jedermannsrecht gilt, darf man direkt am See übernachten. Frischwasser und eine Toilette gibt es im nahe gelegenen Museum Naturum Fjärås Bräcka oberhalb des Sees. Eine Badestelle ist vorhanden, die gerne von Einheimischen bis spät abends besucht wird. 

Shelter am Stora Hassungaredssjön, 124km, 5. Etappe, Übernachtung

ein Shelter direkt am Stora Hassungaredssjön, das schon am Bohusleden gelegen ist. Ein Stichweg führt die 600 m direkt zum See.

Was zunächst nach einer Offenbarung ausschaut, erweist sich beim Näherkommen als baufällig Hütte, die aber noch dicht hält. 

Ausstattung: Tisch, Bank und Schlafbank, Grillplatz, keine Toilette, Wasser aus dem See.

In der Hütte war ein kleines Wespennest, deshalb habe ich es vorgezogen, im Zelt zu schlafen.

Nach dem ausgiebigen Regen des Tages gab es am See viele kleine Krabbelmücken, die nervig waren, in die Ohren krabbelten und in die Haut kniffen. Sie waren so klein, dass sie durch das Mash meines Innenzeltes krabbeln konnten. Der Abend am See war nicht so romantisch, wie es aussschaut und die Nacht war nervtötend.

Nachts hörte man Fluglärm vom Flugplatz Göteborg und etwas Straßenlärm. Das hat aber weit weniger gestört als die Krabbelviecher.

Einkaufen

Auf der 130km langen Strecke gibt es - abgesehen vom Startpunkt Varberg und Zielort Lindome - nur eine Einkaufsmöglichkeit im Tempo-Supermarkt in Fjärås, der gut sortiert ist.

Cafés

Die Möglichkeiten, Kaffee, Kuchen oder Snacks zu genießen, treten etwas geballt auf:

  • Äskulat, Hofmuseum, km 93
  • Museum Naturum, 104km
  • Fjäras: Aesa Hembageri, km 110

Kirchen

Man kommt an zwei schönen Kirchen vorbei.


Wanderbericht

1. Etappe

Nach langer Zugfahrt durch die Nacht komme ich morgens in Varberg an. Der Ort gibt nichts her, das merkt man gleich. Also zügig los, vorher noch schnell etwas Müsli auf dem Friedhof gefrühstückt (dort gibt es Frischwasser und ein WC).

Es geht auf breiten Wegen flott voran. Zunächst durch Varbergs Vororte, später an Feldern und Wiesen vorbei. Von oben brennt die Sonne (28 Grad) und im Kreuz zerrt der zu schwere Kumpel, mein treuer Rucksack.

Nach 14km komme ich in Rolfstorp an einer Bushaltestelle (Stationsvägen) vorbei. Bis hierher hätte ich auch gut und gerne mit dem Bus fahren können, wenn ich es vorher gewusst hätte. Die Verbindung ist gut, der Weg bis hier nicht sehr spannend. 

Schon um 15 Uhr komme ich am geplanten Etappenziel an: Åkkula Friluftsgard, einem Freizeitcamp, in dem ich mir eine kleine Hütte als Selbstversorger (235 SKr = ~23€) miete. Eigentlich wollte ich noch weiter, die nächste Schutzhütte ist aber noch 20km entfernt. Hätte ich den Bus genommen, wäre das gegangen.

Åkkula liegt direkt am See. Ein Sprung in den gar nicht mehr kalten See, dessen Wasser vom moorigen Umland braun gefärbt ist, macht mich wieder munter. Von der langen Anfahrt über Nacht und der Wanderung in der Hitze bin ich ziemlich fertig gewesen. Danach ein Schläfchen und etwas Warmes aus der Tüte, so beleben sich die Geister wieder. Den Abend verbringe ich ruhig, während mein Blick beschaulich über den See schweift. Los ist hier heute nichts, erst am Freitag, also morgen, wird die Anlage ausgebucht sein. Da habe ich doch Glück gehabt!

2. Etappe

Der Hallandsleden scheint ein schöner Weg zu sein.

Forstwege und verschlungene Waldpfade halten sich bisher die Waage. Doch der schwedische Forstarbeiter ist hier des Wanderers Feind, denn an so mancher Stelle, wo Bäume im großen Stil geschlagen wurden, ist das Fortkommen fast unmöglich. Bäume liegen kreuz und quer über dem Weg (Korrektur: im späteren Verlauf des Weges sind zwar auch viele Einschlagflächen, aber der Weg ist stets frei geräumt. Ich vermute, während die Forstwirtschaft wütet, ist der Hallandsleden nur schwer begehbar). Der Hallandsleden ist ausgesprochen gut mit roten Bändern, die um dicke Bäume geschlungen wurden, markiert, die von Weitem schon gut zu sehen sind.

Meinen zweiten Übernachtungsplatz finde in an einem kleinen Sportplatz mitten in dem kleinen Dorf Jytatorp nahe des Sees Mäsen. Dort gibt es eine kleine Hütte (abgeschlossen), Sitzplatz, Feuerstelle, Tisch und Bänke. Fließend kaltes Wasser kann man in der Nähe zapfen. Nachts Ruhe pur. Sehr komfortabel. Die Bewohner sind nett und zugänglich. Hier stehen viele Wochenendhäuschen.

Ach ja: zu den Mücken...

Ja, die gibt's hier. Sie nerven auch, sind aber zu ertragen. Das liegt wohl an der trockenen Wärme, die hier seit Wochen herrscht.

Die Hitze hat auch Sümpfe und Moore, die es entlang des Weges überall gibt, ausgetrocknet, so dass der Hallandsleden sehr gut begehbar ist. Normalerweise gäbe es wohl einige Wegstücke, die normalerweise unter Wasser stehen. Festes Schuhwerk ist da zu empfehlen! Am Besten Goretex.

3. Etappe

Der Hallandsleden präsentiert sich weiter mit breiten Forstwirtschaftswegen, die immer wieder von verschlungenen Waldpfaden abgelöst werden. Ein Deutsch-Schwede meinte, der Hallandsleden sei eine Wanderautobahn. Unrecht hat er damit nicht, aber es sind immer wieder auch sehr schöne und anspruchsvolle Teile dabei. Manches Mal fühle ich mich an den Schwarzwald erinnert. 

Ein Eindruck verfestigt sich: es geht irgendwie immer nur bergan. Aber das ist natürlich nur subjektives Empfinden. Es mag auch an Kumpel, meinem Rucksack liegen, der immer noch viel zu schwer nach hinten zieht.

Nach 15km in der Hitze (25 Grad mindestens) liegt kurz vor der Schutzhütte Dranstugan, die ich anpeile, eine Bank. Eine ausgedehnte Mittagspause gibt die nötige Stärkung für den Nachmittag.

Es folgen einige schöne Seen, an denen man gut übernachten könnte. Doch alle guten Plätze direkt am Wasser sind bereits von Schweden belagert. Klar, es ist Samstag und das Wetter bestens.

Also weiter zum Wanderheim Stättereds. Es liegt schön. Wald hinten, Wiese mit Kühen und Schafen vorne. Doch das Wanderheim ist von einer privaten Gruppe im Ganzen gebucht. Es gibt keinen Platz für mich. Aber ich darf auf dem Parkplatz campen (Jedermannsrecht), Frischwasser (warm und kalt) zapfen und das Plumsklo benutzen. 

Am Abend werde ich von den blöckenden Jungschafen in den Schlaf gesäuselt, während die Kühe noch mal neugierig über den Zaun auf`s Zelt schauen.

Ein guter Platz, eine klare Empfehlung!

4. Etappe

Früh geht es los weiter. Es nieselt, aber dafür ist es nicht mehr so heiß. Irgendwie bin ich heute schlecht motiviert, weiter zu gehen.

Der Hallandsleden bleibt, wie bereits gewohnt: breite Wirtschaftswege wechseln sich mit schmalen Waldpfaden ab. Es geht rauf und runter. Meistens rauf, gefühlt wenigstens. 

Eine lange Zeit geht es unter Überlandleitungen entlang, das ist nicht so schön.

Mittags erreiche ich Äskulat. Statt des erwarteten Shelters finde ich nur ein Klohäuschen vor und bin zunächst enttäuscht. Doch dann finde ich etwas höher gelegen ein Hofmuseum. Dort gibt es - welch eine Offenbarung - ein Café. Es gibt Sandwich, Kaffee und Kuchen. Ein netter Plausch mit der Bedienung baut mich wieder auf. Nach langer Rast geht es beschwingt weiter.

Hinter dem Klohäuschen finde ich nun auch die Schutzhütte. Hier könnte man gut übernachten. Alles sauber und ordentlich.

Auf breiten Wegen geht es schnell nach Fjärås. Kurz vor dem Ort gibt es - welch ein Luxus an diesem Tag - noch ein Museum mit angegliederter Restauration und Self-Service. Ich wähle eine Suppe, mein heutiges Abendbrot. Heute mal nichts aus der Trockenküche. Hier kriege ich auch eine PET-Flasche, meine Nalgene-Flasche hatte ich in Äskulat vergessen. Dort war ich wohl etwas abgelenkt...

 

many thanks to Anne and Robert for information and motivation
many thanks to Anne and Robert for information and motivation

Im Museum führe ich ein nettes Gespräch mit Anne und Robert, aktiven Hallandslandgehern aus der Region. Robert joggt den Weg gelegentlich in einem Stück. Gütiger Himmel! Ich kriege gute Tipps zum Hallandsleden, wo es noch Shelter gibt etc. Und die nötige Motivation zum Weitergehen gibts oberndrauf.

Heute aber geht nichts mehr. Nur noch die hundert Meter runter zum Strand am See Lygnern. Nahe der sandigen Badestelle finde ich einen Platz zum Campen. Zeit zum Baden (kalt!) im braunen Wasser bleibt auch und dann ab ins Bett, der Mücken wegen. Während ich auf der Luftmatratze liege, krabbeln Insekten auf dem Mash herum. Zecken sind auch dabei. Aber sie sind draußen und kommen nicht hinein. Bäh!

In der Nacht brist es auf. Wellen gurgeln laut an den Strand und über mir braust das Laub der Bäume. Das Zelt aber steht gut geschützt im Windschatten. Der Platz ist trotz Ungeziefer eine gute Wahl.

5. Etappe

Die Nacht war unruhig und bin ich schon früh wach. Nach einem morgendlichen Bad geht es weiter. Erst mal zurück zum Museum Naturum, denn dort gibt es eine öffentliche Toilette. Meinen Wasservorrat kann dort auch ergänzen, am Museum gibt es draußen einen Zapfhahn. Die kümmern sich hier gut um die Wanderer, vielen Dank.

Ein Abstecher zur weißen Kirche, die aber noch geschlossen hat.

Also weiter in den Ort Fjärås, in dem man einkaufen kann. Ich brauche zwar nichts, hoffe aber auf einen frischen Kaffee. Der Tempo-Supermarkt macht erst um 9 Uhr auf, aber die gegenüber liegende Bäckerei hat schon geöffnet. Hier gibt es den Kaffee, nach dem ich schon lechze, dazu ein Sandwich. Ich setze mich in eine Ecke, in der es eine Steckdose gibt. Der Himmel ist bewölkt und das Solar-Panel funktionierte in diesen Breiten bisher nicht besonders gut. Neue Erfahrung! Nacheinander lade ich Smartphone, Powerbank und Kamera voll. Ein vom netten Servicepersonal geliehenes Ladegerät hilft mit, sonst wären es wohl noch mehr als die drei Stunden geworden.

Wer trödelt, wird bestraft. Kaum bin ich wieder im Wald, da bricht ein Unwetter über mich herein. Ich hatte es schon kommen sehen, doch falsch eingeschätzt. Ich dachte, es zieht vorbei. Noch bevor ich die Regensachen aus dem Rucksack gekramt habe, bin ich nass bis auf die Haut.

Gut geschützt geht es weiter. Schon bald hört es wieder auf zu regnen, aber der Hallandsleden zeigt sich nun von seiner matschigen Seite. Tiefe, lange Schlammlöcher säumen seinen Weg.

Kaum habe ich die Schutzhütte vor Hjälm am See Stenjö erreicht, da bricht das Unwetter wieder los. Nun gießt es wie aus Eimern.

Der Unterstand macht einen soliden Eindruck, hier könnte man bleiben. Sogar eine Badestelle ist vorhanden. Doch es ist noch zu früh dafür. Zum Glück hört es irgendwann auf zu schütten. Ich kann weiter.

Glücklicherweise folgt der Hallandsleden nun für lange Zeit breiten Forstwegen, so entgehe ich dem Matsch der kleinen Waldpfade. Doch eigentlich ist es eh egal, denn die Wanderstiefel sind bereits triefnass, die Strümpfe konnte ich im Shelter auswringen.

Schließlich biegt der Hallandsleden doch wieder auf einen dieser verschlungenen Waldpfad ab, nach dem Regen geht es nun nur mühsam voran.

Insgesamt führt der Hallandsleden auch auf dieser Etappe wieder entlang schöner Pfade und Wege, gesäumt von einigen schönen Seen. Und heute durfte ich den Hallandsleden wohl so erleben, wie er für gewöhnlich immer ist: matschig.

Unvermittelt hört der Hallandsleden am kleinen See Blåvåtterna auf. Wo er endet, steht ein Hinweisschild. Ab hier beginnt der Bohusleden

Nicht weit davon entfernt steht ein Shelter direkt am See. Es liegt idyllisch und sehr einsam, taugt aber nur an schönen Tagen zum Übernachten, sofern man kein Tarp dabei hat, denn es scheint durch`s Dach zu regnen. Ein Platz für ein Zelt lässt sich hier nicht finden.

Ich ziehe weiter zum nächsten Shelter, das nur 2km weiter liegen soll. Das ist eh mein Etappenziel. Um dorthin zu gelangen, biegt man vom Bohusleden ab und folgt einem schmalen Pfad für etwa 600 m. Am Ende des Weges, direkt am See, steht einer Verheißung gleich die Hütte im Regen, der just in diesem Moment abbricht und der Sonne Platz macht.

Beim Nähern entpuppt sich die Hütte allerdings als ziemlich baufällig. Im Innern ist zwar noch alles trocken, es riecht aber muffig. Es gibt einen Tisch und zwei Bänke, auf einer könnte man sogar schlafen. Was stört, ist das kleine Wespennest, was von der Decke hängt. Eine einzelne Wespe, vermutlich die Königin, summt herum. Eigentlich ist sie ganz friedlich, aber ich ziehe es trotzdem vor, mein Zelt aufzubauen.

Der Abend am See scheint sonnig zu werden, so breite ich meine Sachen auf den Steinen zum Trocknen aus. Nach der Materialpflege mache ich mich im Wasser frisch, Schwimmen traue ich mich wegen der vielen Steine im Wasser allerdings nicht. Dann bereite ich mich auf einen lauschigen Abend am Seeufer vor, packe den Kocher aus und bereite eine Tüte Trockennahrung zu.

So gemütlich, wie gedacht, wird es dann doch nicht. Plötzlich fallen kleine Krabbelmücken über mich her, die erst meinen Kopf umkreisen und dann in die Ohren, die Kopfhaut - ach überall hin kriechen und zwicken.

Irgendein Viehzeug ist hier in Schweden immer unterwegs. Mal sind es Mücken, mal nervige Fliegen, nun diese kleinen Scheusale. Es vergällt mir das Outdoor-Erlebnis und das ist schade.

Um das Zwicken zu vermeiden, muss ich beim Essen herum gehen. Auch den obligatorischen Tee genieße ich auf diese Weise. Romantisch ist anders!

Des Gehens müde verziehe ich mich vorzeitig ins Zelt. Draußen ist es immer noch hell.

Ach du Schreck! Auch im Zelt sind die Viecher! Sie sind so klein, dass sie sich durch das Mash des Innenzeltes zwängen können. 

Es wird eine unruhige Nacht mit wenig Schlaf. So kriege ich auch mit, dass es wieder heftig anfängt zu regnen.

6. Etappe

Für mich ist diese Nacht früh zu Ende, sie war nicht schön. Draußen tropft der Regen von den Bäumen. Die schöne Lage direkt am See kann das nicht wett machen, zumal die Krabbler schon wieder aktiv sind. Hier muss ich weg, um den zwickenden Viechern zu entkommen. Und zwar rapido! Schnell packe ich ein. Das Zelt kommt nass, der Rest klamm in den Rucksack. In die noch feuchten Wanderstiefel mit klammen Socken zu schlüpfen ist kein Spaß. In einer solchen Nacht bleibt nichts trocken.

Zum Abschied sage ich der Wespenkönigin in der Hütte"hej då", dann stapfe ich davon.

Der Hallandsleden ist fertig gelaufen und bei mir die Luft raus.

Es ist nicht weit bis nach Lindome. Die frisch restaurierte Kirche hat schon geöffnet, ich entzünde eine Kerze und setze mich in eine Bank. Hübsch ist es hier, wenn man so etwas zu einer Kirche sagen darf.

"Was soll ich nun tun?".

Mutlosigkeit hat sich in mir breit gemacht. Eigentlich will ich nur noch zurück. Es reicht mir.

Es wird nur noch mehr Wald folgen. Bestimmt schön, aber wenig abwechslungsreich. Und die Krabbler, die Hitze, der Regen, die Schwüle.

"Nach Hause?" , frage ich mich noch etwas zögerlich. 

Bevor ich mich endgültig entscheide, möchte ich in Lindome bei einem Kaffee meine Stimmung noch einmal abschließend ergründen. 

Statt weiter auf dem Bohusleden Richtung Göteborg zu laufen, lenke ich meine Schritte in den Ort Lindome, um den der Wanderweg herum geführt wird. Mit gutem Grund, wie sich gleich zeigen wird. Der Ort ist einfach nichtssagend, das Einkaufszentrum nur schrecklich und ein Café nicht zu finden.

Damit geht meine Stimmung noch weiter in den Keller, während am Himmel neue Regenwolken aufziehen.

Die Entscheidung ist gefallen:

Es reicht! Nach Hause. Das war's!

Ich strebe zum Bahnhof, setzte mich spontan in einen Zug nach Göteborg und bin schon fünfzehn Minuten später dort. Zu Fuß wäre es eine weitere Tagesetappe auf dem Bohusleden gewesen. Geschenkt!

Ich sitze im Bahnhof und denke die Optionen durch.

Eine Nacht im Hotel übernachten? Ausruhen, Sachen trocken? Ich berate mich kurz mit einer Freundin via Whats App. Sie rät zum Bleiben. 

"Nee, keine Lust mehr!", schreibe ich zurück. "Nicht mal zu einer Stadtbesichtigung."

Spontan kaufe ich mir ein Ticket und setzte mich damit in den nächsten Zug nach Kopenhagen.

Zwölf Stunden später bin ich in Hamburg. Irgendwo zwischen Kopenhagen und Fredericia bereue ich meinen Entschluss.

Ich hätte ja wieder umdrehen können, aber darauf komme ich während der Fahrt noch gar nicht.

Erst jetzt, wieder zu Hause.


Resumé

So endet meine erste Schweden-Tour auf dem E1 ähnlich abrupt wie die durch Dänemark im letzten Jahr. Da brauchte es ebenfalls mehrere Anläufe, über die ganze Distanz zu gehen. Geplant war eine Tour, es wurden vier.

Obwohl schön, scheinen die Nordländer nicht die Meinen zu sein. Nach wenigen Tagen nur bekomme ich den Koller. Darüber muss ich jetzt nachdenken. Denn so will ich den Weg auf dem E1 im Norden nicht fortsetzen. Es wird ja zunehmend rauher und einsamer werden.

Aber eines ist klar: am Weg selbst hat es nicht gelegen, denn der ist schön zu gehen. 


Hallands- und Bohusleden

Tipps zum Weg (english):

- Northern Hallandsleden (1)

Hallandsleden (2)

- Bohusleden

 

Download
Hallands- u. Bohusleden
mein "Spickzettel" für den geplanten Tourverlauf. Ganz so lief es nicht.
E1-S-01-Hallandsleden.pdf
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Packliste für S-01 - Hallandsleden
geplant war für 14 Tage, tatsächlich wurden es nur 6 Etappen
S_01_Packliste.pdf
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Proviantliste
Die Liste basiert auf eine Voll-Versorgung für 8 Tage. Nach vier Tagen gab es die erste Möglichkeit der Nachversorgung. Es hätte ab da jeden Tag eine Einkaufsmöglichkeit gegeben.
Außer Kaffee, Kuchen und einer Suppe in einem Café und zwei Museumsshops habe ich nicht nachgekauft.
Insgesamt war der Rucksack durch den Proviant zu schwer.
S_01_Proviantliste.pdf
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Wandern auf dem E1:

in bisher 106 Tagen 2.515 km

durch vier europäische Länder.

Drymat



mein Kanal: Michael-wandert
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