Hamburg Tour: NSG Heuckenlock und Elbarme

In das Heuckenlock kommt`ste nur bei Ebbe rein
In das Heuckenlock kommt`ste nur bei Ebbe rein

Diese Hamburg - Tour hat so einiges zu bieten und es gibt Neues zu entdecken, dass ein Hamburger nicht unbedingt schon kennt. 


Ein fast schon frühlingshafter Januarmorgen lockt mich raus. Heute will ich die nördliche Uferseite der Süderelbe erkunden. Dort liegt das Naturschutzgebiet Heuckenlock, vis à vis dem Naturschutzgebiet Schweensand, das ich kürzlich aufgesucht habe. Beide zeichnen sich durch einzigartige Auenwälder aus, die täglich von der Tiede überflutet werden.

Auf dieser Tour gibt es aber noch mehr zu sehen.

Um zum Heuckenlock zu gelangen, geht es vom Harburgerr Rathaus auf der alten Harburger Elbbrücke über die Süderelbe. Sie ist eine von vier Süderelbbrücken, die an dieser Stelle Harburg mit Wilhelmsburg verbinden. Die drei anderen muss ich unterqueren und dabei den ungeheuren Verkehrslärm von Autos, Güterwaggons und S-Bahnen ertragen. Danach geht es an der Badestelle Finkenriek vorbei, dessen Sandstrand in der Wintersonne sonnt. Immer weiter geht es am Deich entlang, immer weiter auf befestigtem Weg dicht am schmalen Saum der Auenwälder. Bevor ich das NSG erreiche, wird es noch einmal laut, denn die Autobahnbrücke Moorwerder muss unterquert werden. Bald ist es Gottlob wieder still, und so bleibt es für den Rest der Wegstrecke.

Da liegt das Naturschutzgebiet schon vor mir. Eine blaue Fußgängerbrücke führt über die Heuckenlock und auf schmalem Pfad mitten rein ins feuchte NSG. Fahrräder sind nicht erlaubt, sie würden eh im Schlamm versinken, denn bei Hochwasser ist das Gebiet geflutet und deshalb immer matschig. Vielleicht nicht im Hochsommer, aber heute auf alle Fälle. Man sollte also das richtige Schuhwerk anhaben und, bevor man sich auf den Weg macht, einen Blick in den Tiedekalender werfen. Bei Flut braucht man Gummistiefel und bei Hochwasser braucht man gar nicht los zu gehen.

Ich habe heute alles richtig gemacht. Der Weg ist zwar nass, doch der Pfad lässt sich mit meinen leichten Goretex-Wanderstiefeln gut begehen. So stapfe ich auf dem verschlungenen Pfad mitten durch den einzigartigen Auenwald, den es so in Europa kein zweites Mal gibt. Bis zum sandigen Ufersaum kann man gehen. Wie im Urwald ist es hier und das kommt nicht von ungefähr, denn der Mensch greift hier nicht ordnend ein. Kein Baum wird weggeräumt, alles bleibt liegt, wo es viel oder angeschwemmt wurde. Mit einem Wort: es ist wunderschön hier!

Viel zu schnell erreiche ich die anderen Seite des NSG, der Pfad ist wohl nur knapp fünfhundert Meter lang. Er hätte viel länger sein können. Aber auch so hat es sich voll gelohnt.

Und es gibt heute noch so viel zu entdecken!

Weiter geht es den Deichfuß entlang zum nächste Etappenziel. Das Leuchtfeuer Bunthaus soll am Wochenende ein begehrtes Ausflugsziel sein, doch heute, einem Dienstag, ist hier kein Mensch. Ich verbringe eine stille Pause mit tollem Ausblick über die vor mir liegende Bunthäuser Spitze, die an dieser Stelle die Elbe teilt. Die Norderelbe fließt weiter gen Hamburger Hafen, die Süderelbe an Harburg vorbei. In Altona werden die zwei Elbarme wieder vereint sein.

An der Norderelbe geht es zurück, wieder direkt am Fuße des Deiches entlang, wo der Auenwald nun lichter wächst. Auch hier ist Naturschutzgebiet. Nach einer Weile komme ich an der Deichbude Kretsand vorbei. Ein Besuch lohnt sich, es gibt Sitzgelegenheiten und ein Dach über dem Kopf. Und Informationstafeln, die über das ehemalige Spülfeld und die Renaturierung informieren. 

Bald geht es weiter, denn die Sonne steht schon niedrig und der Weg ist noch weit. Zeit, die Norderelbe zu verlassen, denn nun geht es die stillen Ufer der Wilhelmsburger Dove Elbe entlang. Ein Stück weiter wird der Ernst-August-Kanal draus, die Eisenbahnbrücke am Vogelhüttendeich markiert den Wechsel. Ab hier lässt die Idylle merklich nach, der Kanal wirkt auf mich etwas vernachlässigt. Dieses Stück Hamburg kann man am ehesten wohl als Areal mit Zukunftspotential klassifizieren, das noch seinen Dornröschenschlaf hält, der vermutlich aber in wenigen Jahren beendet sein wird. Hamburgs erklärtes Ziel ist es nämlich, endlich den Sprung über die Elbe zu schaffen, um dem Ziel des Senats - der wachsende Stadt - gerecht zu werden. Der Kleine Grasbrook, gar nicht weit weg von hier, wird ebenfalls bald erschlossen sein und auf einem zwanzig Hektar großem Areal am Ende des Kanals in der Nähe des Spreehafens, soll laut BILD-Zeitung bald ein neues Quartier mit tausend Wohnungen entstehen. Ein spannender Stadtteil ist das hier.

An der neu errichteten Ernst-August-Schleuse endet der Kanal. Hier gibt es einen Anleger. Ich warte eine Weile auf eine HADAG-Fähre, die nur werktags verkehren soll und frage mich, ob sie wirklich fahren wird. Es gibt zwar einen Fahrplan, doch die Fähre richtet sich offenbar nicht danach. Sie müsste schon da sein. Es gibt tatsächlich noch andere Passagiere, die warten. Schließlich kommt tatsächlich ein gelbes Motorboot und legt an. Entspannt lasse ich mich nun die letzten Kilometer durch den Reiherstieg in Richtung Landungsbrücken chauffieren; und das für lau, denn das HVV Tagesticket gilt auch hier. Vorbei geht es an alten Kränen und der Lürssen Werft, wo gerade zwei Kriegsschiffe gebaut werden. Das Finale bildet die vor einem Jahr fertig gestellte Elbphilharmonie, die sich mit hell erleuchteten Fenstern zauberhaft gegen das Dämmerlicht abhebt.

So endet ein erlebnisreiche Tag nach der kleinen Hafenfahrt, die durch Teile des Hamburger Hafens führt, die ich noch nicht kannte. Was will man mehr?

Strecken-Highlights

Süder- und Norderelbe


Hier ist die Elbe auf einem Stich von  Melchior Lorichs zu sehen, die er 1568 im Auftrag des Rats der Stadt Hamburg erstellte. Auf ihr ist der Verlauf der Elbe bei Hamburg gut zu sehen. Natürlich sieht die Topographie heute nicht mehr so aus. Wäre es nicht schön, wenn es noch so wäre?

Die Elbe teilt sich bei der Bunthäuser Spitze und vereint sich bei Altona wieder. 

Infos zum Stich von  Melchior Lorichs
Infos zum Stich von Melchior Lorichs

Fünf Brücken über die Süderelbe

Auf dieser Tour habe ich die Süderelbe auf der Alten Harburger Elbbrücke überquert, vier weitere mussten unterquert werden. Die für den Verkehr wichtigen Brücken verbinden Wilhelmsburg mit  Harburg. Leider geht von ihnen auch ein gehöriger Lärmpegel aus. (PS: die neue Europabrücke habe ich leider nicht fotografiert)

  • Alte Harburger Elbbrücke (Fußgänger+Radfahrer)
  • Brücke des 17. Juni (Hannoversche Strasse)
  • Europabrücke (BAB)
  • Eisenbahnbrücke Süderelbe (S-Bahn, Nah- und Fernverkehr)
  • Neue Autobahnbrücke Moorwerder (A 253)
Brücken-Info
Brücken-Info

Naturschutzgebiet Heuckenlock

Das Heuckenlock bildet mit dem auf der anderen Uferseite liegenen Schweensand eine einzigartige Auenwald-Landschaft, die dem Tiedenhub unterworfen sind und regelmäßig überflutet werden. Hier hat sich eine interessante Sumpf- und Wasserwildnis erhalten. Die Natur bleibt sich selbst überlassen, die ein wenig an einen Urwald erinnert.

Das Schöne ist, dass man das Heuckenlock auf einem schmalen, gewundenen Pfad durchwandern kann. Das geht ja lange nicht in jedem Naturschutzgebiet, wie ich mittlerweile lernen musste. Hier aber ist es erlaubt, durch den Auenwald zu streifen. Man kommt sogar bis ans Wasser.

Wer hier durch will, sollte immer an wasserdichte Schuhe denken und an den Gezeitenkalender, denn bei Flut ist der Weg, je nach Wasserstand, bis zu knietief überspült.

Infos zum NSG Heuckenlock
Infos zum NSG Heuckenlock

Bunthäuser Spitze

An der Bunthäuser Spitze teilt sich die Elbe, ihre zwei Arme umschließen die Elbinsel Wilhelmsburg. An der Spitze steht ein Leuchtfeuer, das die Fahrwassertrennung bis 1977 markierte und dann außer Dienst gestellt wurde. Der Holzturm wurde wieder restauriert und wird heute an Wochenenden gerne aufgesucht.

Info
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Wilhelmsburger Dove Elbe + Ernst-August Kanal

Die Dove Elbe ist ein Nebenarm der Elbe, die im Wesentlichen auf der anderen Seite der Norderelbe verläuft. Am Georgswerder Schleusengraben setzt der Seitenarm seinen Lauf fort, durchfließt dabei das kleine NSG Rhee, dann weiter unter den Namen Wilhelmsburger Dove Elbe und Ernst-August-Kanal. Nach der kürzlich sanierten Ernst-August Schleuse fließt das Wasser über den Reiherstieg in den Hamburger Hafen

Info
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Bewertung:

Eine interessante 25-km Strecke. Dazu kommt noch eine kleine Hafenrundfahrt zum HVV-Tarif.


Links zu anderen Entdeckern

ein schöner Beitrag von Stefanie und Volko
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