Hamburg-Tour: NSG Flottbek + die Elbeparks

Blick auf das kleine NSG Flottbektal. Es liegt mitten im Jenischpark
Blick auf das kleine NSG Flottbektal. Es liegt mitten im Jenischpark

Die Naturschutzgebiete im Osten und Norden Hamburgs sind erkundet. Nun wende ich mich denen im Westen meiner schönen Hansestadt zu. Heute besuche ich das kleinste NSG: das nur 8ha große Flottbektal, das mitten im Jenischpark zu finden ist. Und damit sind wir gleich beim zweiten Thema dieser Wanderung: den Elbeparks. Sie liegen dicht an dicht und man kann wie durch ein grünes Band von einem in den anderen wandern, fast ohne Siedlungen zu berühren.


Es soll heute den ersten Schnee geben. So etwas könnte einen vom Wandern abhalten und solange es draußen noch dunkel und im Bett so gemütlich warm ist, habe ich auch keine große Lust, die Nase in den kalten Wind zu stecken. Man kann schließlich seine freien Tage auch mit anderen angenehmen Dingen verbringen. Zum Beispiel mit einem Besuch im Museum.

Aber meine Wandertouren dienen nicht nur der Erkundung der Hamburger Naturschutzgebiete, sondern auch dem Erhalt meiner Fitness, damit der Start in die nächste Wandersaison nicht allzu hart wird.

Kaum ist es hell, zeigt sich der Himmel gleich freundlicher. Jetzt ist es leichter, meinen kleinen Rucksack zu packen und los zu gehen. Ich steuere die nächste Stadt-Rad Station in Winterhude an und radle die zehn Kilometer zur S-Bahn Station Othmarschen, wo ich das Fahrrad abgebe. Tolle Sache, diese Stadträder. Die erste Trainingseinheit habe ich damit auch schon hinter mir.

In Othmarschen geht es los.

NSG Flottbektal

die Flottbek speist die Tidewiesen des NSG Flottbektal
die Flottbek speist die Tidewiesen des NSG Flottbektal

Zwei Kilometer sind es bis zum Jenischpark. Mitten drin liegt das kleine Naturschutzgebiet Flottbektal, das seit 1982 den Schutzstatus hat, weil hier die letzten Feuchtwiesen sind, die von der Elbtide beeinflusst sind. Die Flottbek spendet das Wasser für die Wiesen, sie fließt nicht weit entfernt bei Teufelsbrück in die Elbe.

Jenischpark

Das Naturschutzgebiet ist schnell abgehakt und da es mitten im Jenischpark liegt, sind die Grenzen fließend. 

 

Der Park ist weitläufig, verfügt über große Wiesenflächen, darauf alte, knorrige Solitärbäume, einem kleinen Wäldchen mit Teich mittendrin und natürlich dem weißen Jenisch-Haus an repräsentativer und gut sichtbarer Stelle. Der Park ist 24ha groß und damit um ein Vielfaches größer als das NSG.

Mein persönliches Highlight im Jenischpark ist eine kleine Moos- und Borkenhütte, genannt "Eierhütte". Sie wurde 1991 durch eine Stiftungsspende von einem Zimmermann neu errichtet. Statt Reetdach jetzt Grasdach und mit einigen Fenstern mehr versehen als früher entspricht sie ansonsten dem Original, dass hier seit 1790 stand.

Über dem Eingang steht "AMICIS ET QUIETET" - den Freunden und der Muße. Welch ein schöner Spruch!

Manche meiner Mitmenschen hält leider nicht einmal ein solches Kleinod davon ab, es zu beschmieren und ihren Müll zu hinterlassen. Sie sollten sich schämen und mehr Wertschätzung lernen!

Westerpark

der Westerpark
der Westerpark

Als der Westerpark vor 200 Jahren angelegt wurde, lag er noch weit vor den Toren Hamburgs. Er war seinerzeit Teil einer als "ornamented farm" bezeichneten Parklandschaft. Davon ist heute leider nicht mehr sehr viel übrig. Mir hat sich der Park wenig spektakulär als eine große Rasenfläche präsentiert. Trotzdem lohnt sich ein Besuch, weil er schön eingebettet zwischen den anderen Parks liegt.

Wesselhoeftpark

die Kleine Flottbek schlängelt sich durch den Wesselhoftpark, speist zwei Teiche
die Kleine Flottbek schlängelt sich durch den Wesselhoftpark, speist zwei Teiche

Unmittelbar an den Westerpark schließt sich der Wesselhoeftpark an, der ursprünglich als englischer Park angelegt wurde. Heute ist er ziemlich zugewachsen, was ihm gut steht. Am Ende liegt ein kleiner See, den man umrunden kann.

Elbuferweg

der Elbuferweg. Auf der anderen Elbseite das dominierende Werk Airbus. Von vorne kommen Schneewolken heran.
der Elbuferweg. Auf der anderen Elbseite das dominierende Werk Airbus. Von vorne kommen Schneewolken heran.

Nun geht es für 2,5 km direkt am Elbuferweg entlang. Auf der anderen Seite der Elbe liegt die dominierende Flugzeugwerft Airbus. Früher war hier das Mühlenberger Loch, das heute nur noch teilweise erhalten ist, weil es zugunsten neuen Wirtschaftsraums zugeschüttet wurde. Sicherlich ist der Flugzeugbau so wichtig für Hamburg wie der Hafen. Für das oberhalb liegende Nienstedten ist es aber eine audio-visuelle Belastung. Der Rest des Mühlenberger Lochs ist heute wenigstens Naturschutzgebiet. 

 

Es ist trotz allem schön, direkt an der Elbe entlang zu laufen. 

 

Der Wind bläst von vorne, ich muss mich richtig gegen den Wind stemmen. Kühl wird es hier und von Richtung Küste treiben graue Schneewolken heran. Ist es vorbei mit dem schönen Wetter?

Hirschpark

im Hirschpark gibt es ein Wildgehege mit Damwild
im Hirschpark gibt es ein Wildgehege mit Damwild

Nun geht es Treppen den Elbhang hinauf. Ich komme an schönen Villen vorbei, dann geht es an seiner östlichen Seite in den Hirschpark. Das dortige Wildgehege ist mein nächstes Ziel, Damwild gibt es hier zu sehen. Aber ich kann keine Tiere entdecken, dafür Schüsse hören. Werden die armen Viecher etwa gerade abgeknallt? Auf der anderen Seite des Geheges lüftet sich bald das Rätsel. Während sich die Tiere dicht gedrängt unter einem schützenden Dach kauern, zünden eine Handvoll Jugendlicher in einer nahen Hütte unbekümmert einen Böller nach dem anderen. Ich kann nicht anders, muss sie zur Rede stellen, weise auf die armen Tiere hin, die sie mit dem Knallen verschrecken. Sie zeigen sich erstaunlich einsichtig und hören tatsächlich mit dem Unsinn auf. Ich hoffe, dass haben etwas Einsicht gewonnen.

Ich verlasse den Hirschpark auf der anderen Seite. Auf dem verschneiten Rasen des Landgasthauses Witthöft hat jemand einen Mini-Schneemann gebaut, ein wenig Schnee ist tatsächlich gefallen und bleibt liegen. 

Baurs Park

auf dem Kanonenberg im Bauers Park. Von hier kann man weit stromab und stromauf schauen.
auf dem Kanonenberg im Bauers Park. Von hier kann man weit stromab und stromauf schauen.

Der letzte Park am Hang der Elbe ist Baurs Park, der schon kurz vor Blankenese liegt. Als er vom Kaufmann und Reeder Baur Anfang des 19. Jhrd. angelegt wurde, war das noch weit von Hamburg entfernt. Baur ließ einen Kanonenberg aufschütten, von dem er seine einlaufenden Schiffe beobachten konnte und mit Böllerschüssen begrüßte. Vielleicht wollten die Jugendlichen im Hirschpark es ihm nur nachtun? Baur ließ auch ein großes Anwesen im klassizistischem Stil errichten, dass am Ende einer großen Wiese steht. Darauf wird heute auf dem bisschen Schnee gerodelt.

Am Ende des Parks gibt es einige herrschaftliche Villen mit Elbblick zu bestaunen. Danach geht es nach Blankenese hoch .

Die Tour geht mit der Besichtigung der ev.-luth. Kirche am Markt von Blankenese zu Ende. Auf meinen Touren bin ich immer mal gerne in einer Kirche, warum, kann ich gar nicht genau sagen. In dieser Kirche gab es wandgroße Tafeln, die über alle Weltreligionen informierten. Die muss ich mir noch einmal genauer anschauen.

Ein Kaffee in einer Bäckerei auf der weihnachtlich geschmückten, aber trotzdem beschaulichen Einkaufsstraße Blankeneser Bahnhofsstrasse runden diese Wanderung ab, bevor es mit der S-Bahn in wenigen Minuten wieder zurück in die hektische Großstadt geht.

Sie haben es gut, die Nienstedter und Blankeneser! Der weiten Elbe und den vielen grünen Parks so nah. Weit genug draußen und doch so schnell in der Stadt. 


meine Bilder zur Tour