Seiser Alm (Dolomiten)

Blick auf den Schlern
Blick auf den Schlern

Die Seiser Alm (Dolomiten) in Südtirol

Quasi auf Durchreise zum Urlaub am Gardasee machten wir für drei Tage Zwischenstopp in den Dolomiten, um die Seiser Alm näher kennen zu lernen. Es ergaben sich zwei schöne Wanderungen auf dem Hochplateau und einem der begrenzenden Bergmassive.

Die Seiser Alm liegt rund 20km nordöstlich von Bozen in den Südtiroler Dolomiten, oberhalb der Touristenorte Seis am Schlern, Kastelruth und St. Ulrich in Gröden.

Während ich bei der Urlaubsplanung 2016 mit der etwas westlicher gelegenen Texelgruppe noch etwas daneben lag, schaffte ich es 2017 zur großen Freude meiner Frau, für drei Tage ein Domizil direkt in den Dolomiten zu buchen.

Geografie

die Lage der Seiser Alm
die Lage der Seiser Alm

Die Seiser Alm ist mit einer Ausdehnung von 56qkm das größte geschlossenen Hochplateau der Alpen.

Begrenzt wird die Hochebene im Südwesten von dem Bergmassiv Schlern, im Osten vom Plattkofel und im Norden von den Erhebungen Puflastsch und Pizberg.

Die Seiser Alm kann bequem mit der 4.000m langen Umlaufbahn erreicht werden, von Seis am Schlern geht es die 800 Höhenmeter bequem hinauf, auch ein Bus fährt zur Bergstation und natürlich kann man auch hoch wandern.

Auf der Alm gibt es den Touristenort Kompatsch, dort sind einige Hotels angesiedelt. An den Bahnstationen befinden sich gute Sportgeschäfte mit ordentlichen Wandersachen.


Wanderung 1: Puflatsch Rundweg

Die Umrundung des Puflatsch Gipfel-Plateaus gewährte uns viele traumhafte Blicke. Die Tour verläuft oberhalb der Alm, ohne dass viele Höhenmeter zu überwinden sind. Hier erlebt man die Dolomiten in komprimierter Form.

Eine prima Tour zum Einwandern.

Wer noch nicht auf der Seiser Alm war, wird angesichts des ihn umgebenden Bergpanoramas staunen, sobald er die Gondel auf der Bergstation verläßt. Doch es lohnt sich, sich auf den Weg zu machen. denn während man den Puflatsch umrundet, werden die Ausblicke immer besser.

Während der Tour sah es aus, als würde im Tal in einem Hexenkessel gekocht. Immer neue Wolken zogen von dort hinauf, um sich  mit den imer dunkler werdenden Wolken am Himmel zu vereinen.
Zum Abschluss der leichten Tour gab es Kaffee und Kuchen auf der Itschötsch Alm.

Der anschließende Abstieg zurück zur Bergstation erfolgte im strömenden Regen bei Null Sicht. Doch die Wege sind gut gekennzeichnet, so dass man sich praktisch nicht verlaufen kann.

hier sind alle Bilder in meiner Dropbox.


Wanderung 2: Denti di Terrarossa (Rosszähne)

die gewaltigen Rosszähne
die gewaltigen Rosszähne

Denti di Terrarossa (ital. Rosszähne), eine gescharterte Gipfelreihe nackter Felsen, die aussehen wie -mit etwas Fantasie- wie die Zähne eines Pferdes.Die Felsen sind Bestandteil der Schlerngruppe. Ihr höchster Punkt ist der in der Mitte der Kette aufragende Große Rosszahn mit 2.653m ünN.

Dort hinauf sollte es gehen.

Die Tour war so gar nicht geplant, denn eigentlich sollte es von der Bergstation gemütlich über die Seiser Alm vom Plateau hinab nach Seis zurück zum Hotel gehen.
Doch als wir die hohe Wand der Rosszähne und die gewaltigen Felsformationen des Schlern vor uns sahen, die im Halbkreis die Seiser Alm auf der Westseite umschließen, juckte es gewaltig in den Wanderschuhen. Und als wir in der Ferne den Steig, der die Rosszähne hinauf führte, sahen,
war es um uns geschehen. Dieser Weg hinauf zu den Rosszähnen sollte es nun sein!
Wir Flachländer wussten nicht so genau, worauf wir uns einließen...

steil ragen die Roßzähne vor uns auf, der Weg dorthin zunächst leicht
steil ragen die Roßzähne vor uns auf, der Weg dorthin zunächst leicht

Zunächst war es leicht. Ein kurzer Weg führte uns zum Sommerlift, der uns das Ersteigen weiterer 200 Höhenmeter zu Fuß zur Panorama-Alm abnahm. Er liftete uns einfach hinauf.

Ab hier hieß es dann aber laufen. Zunächst führt ein schmaler Bergpfad sanft bergauf, vorbei am Col dal Spiedl und dem Mont de Cepëi. Schließlich steht man am Fuße der Rosszähne und schaut den schmalen Pfad hinauf, den es nun zu besteigen gilt. Staunend stellen wir fest, dass dort bereits viele Menschen über uns unterwegs sind.

Auch wir machen uns jetzt an den kräftezehrenden Aufstieg. Umkehren kann man ja immer, denken wir. Für die dreihundert steilen Höhenmeter brauchen wir eine dreiviertel Stunde. Während des Aufstiegs braut sich ein Unwetter über uns zusammen, uns ist angesichts der Gefahr von Gewittern in den Bergen nicht wohl. Aber so kurz vor dem Gipfel wollen wir nicht mehr umkehren. Wir gehen das Risiko ein.

die Bergziegen waren schneller am Gipfel als wir und besetzen die Pausenbank
die Bergziegen waren schneller am Gipfel als wir und besetzen die Pausenbank

Am Gipfel steht eine Bank zur Rast, doch ein paar Bergziegen sind schneller als wir. Während wir warten, dass sie weiter ziehen mögen, genießen wir die Aussicht nach zwei Seiten im Stehen. Der Blick ist überwältigend, doch die dunklen Wolken erfüllen uns mit Sorge. Wir müssen ja auch wieder runter vom Berg.

Tierser Alpl Hütte, ein Refugio für Wanderer
Tierser Alpl Hütte, ein Refugio für Wanderer

Der Abstieg erfolgt auf der anderen Seite der Rosszähne auf einem einfacheren Bergpfad.
Bald kommt die Tierser Alpl Hütte in Sicht, ein neu aufgebautes Refugio, in dem Wanderer und Kletterer übernachten können. Wir kehren ein, genießen Kaffee und leckeren Kuchen und hoffen, dass derweil das Unwetter weiter zieht. Am Tisch gegenüber sitzt eine Wanderin, die gleich noch in den Maximilian-Klettersteig will. Sie hat Mut bei dem Wetter!

Blick auf den Plattkofel, dort hat es in der Nacht geschneit
Blick auf den Plattkofel, dort hat es in der Nacht geschneit

Das Unwetter hat sich noch nicht entladen, aber irgendwann muss es ja weiter gehen. Ein breiter, bequem zu gehender Weg führt vom Berg hinab, links ragen die mächtigen Zähne hoch auf und sehen sehr imposant aus.
Zweihundert Höhenmeter Abstieg sind geschafft, da geht es los. Regen prasselt, Donner grollt. Immer neue Wolken quellen schwarz und
unheilvoll über die Rosszähne, ziehen über uns hinweg zum über dreitausend Meter hohen Plattkopfel, an dessen schneebedecktem Gipfel sie mit lautem Getöse donnern. Gottlob ist es weit genug weg von uns.

kurze Regenpause in der Edlweiß Hütte
kurze Regenpause in der Edlweiß Hütte

Das Regenzeug bleibt auf der weiteren Tour an, es regnet ununterbrochen weiter. In der urigen Edlweiß Hütte suchen wir für eine Weile Schuzt vor den Schauern, doch kaum lässt der Regen etwas nach, geht es weiter. Es ist ja nun nicht mehr weit bis zur Bergstation und der Weg dorthin verläuft entlang flacher Almwiesen.

Es war eine wunderschöne Wanderung, die allerdings auch sehr an unseren Kräften zehrte. Flachlandtiroler sind halt so steile Aufstiege nicht gewohnt.

Das Gewitter in den Bergen hatte seinen besonderen Nervenkitzel und vermutlich war es nicht ungefährlich, bei solch einem Unwetter in diesen Höhen zu sein.


hier sind alle Bilder der Tour Denti die Terrarosa in meiner Dropbox.