Lübeck von hinten

Eine Städtetour? Ist das ein lohnendes Ziel für eine Wandertour? Ja, ist es!

Lübeck ist die mit über zweihunderttausend Einwohnern zweitgrößte Stadt Schleswig Holsteins. Sie liegt schon fast an der Ostsee, die bekannte Bäderstadt Travemünde ist nur einen Katzensprung entfernt. Die Hansestadt blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück, hatte früher eine machtvolle Position innnerhalb der Hanse, der weit reichenden Handelsvereinigung des Mittelalters. Die Handelsbeziehungen brachten der Stadt Reichtum und das kann man am Stadtbild heute noch erahnen. Lübeck galt als Königin der Hanse, als Tor zum Norden und als Stadt der sieben Türme. Nicht nur die hoch aufragenden Kirchtürme machen die Stadt sehenswert, sondern auch die mittelalterliche Altstadt mit schmalen Patrizierhäusern, Gängen und Hinterhöfen und dem kleinen Segelhafen am Rande der Altstadt.

Doch mich als Wanderer lockt eher das, was die Altstadt umgibt: die Fließgewässer Trave, Elbe-Lübeck-Kanal und Wakenitz und die zahlreichen Parks und Grünanlagen, vor allem aber der nahe Stadtwald. Lübeck ist einer der größten kommunalen Waldbesitzer Deutschlands und der große  Stadtwald schließt sich im Nordwesten unmittelbar an die Stadt an.

Tourbeschreibung

Lübeck gehört zur Metrolpolregion Hamburg und ist nur 65km von Hamburg entfernt, mit dem Regionalexpress ist man in weniger als einer Stunde am zentral gelegenen Lübecker Hauptbahnhof. Dort beginnt die Wanderung.

Ich wandere nicht alleine, zwei Freundinnen und Labrador Summer begleiten mich.

Vom Bahnhof geht es nur achthundert Schritten Richtung Altstadt, kurz vorm Holstentor schwenken wir nach rechts in die Wallanlagen. Dort beginnt schon die Natur und der Lärm der Stadt verstummt hinter uns. Früher dienten die Wallanlagen dem Schutz der Stadt, heute zeugen nur noch Hügel von ihrer ehemaligen Existenz.

Auf der Rehderbrücke überqueren wir den Elbe-Lübeck Kanal und für Momente fühlen wir wieder die pulsierende Stadt, doch im Drägerpark wartet bereits das nächste Grün auf uns. Für Summer ist hier die erste Gelegenheit für ein erfrischendes Bad, der Park liegt unmittelbar an der Wakenitz. Das nahe Freibad mit Sandstrand hat noch geschlossen, denn für uns Menschen ist das Wasser noch zu kalt. Jenseits der lauten Noeckstrasse lockt der Stadtpark uns an. Doch das ist falsch, hier wollen wir erst auf dem Rückweg durch. Also wieder zurück und ein Stück die Arminstraße entlang. Das ist nicht schön, denn der Verkehr macht hier einen Höllenlärm. Aber es gibt auch etwas Gutes: Beke kauft sich im Vorbeigehen noch eine Sonnenbrille bei Budni und muss nun nicht mehr in die helle Frühlingssonne blinzeln.

Kurz darauf tauchen wir in den Stadtwald ein. Die Bäume tragen einen grünen Flaum und eine Etage tiefer bilden Buschwindröschen weiße Teppiche. Da sie das Sonnenlicht dringend brauchen, müssen sie sich mit dem Blühen beeilen, denn bald schon wird der Waldboden im Halbschatten des Blätterdaches liegen und dann begeben sich die Frühlingsblüher wieder in ihren Dämmerschlaf.

Wir staunen. Vor kurzem noch herrschte in Norddeutschland der kalter Winter und jetzt ist plötzlich der Frühling ausgebrochen.

Eine aus einem dicken Stamm geschnittene Bank gibt Anlass für eine erste ausgedehnte Pause. Die Mädchen zaubern Köstlichkeiten aus ihren Rucksäcken, so wie es nur Frauen können. Ich steuere frischen Nescafé bei, den ich auf dem Gaskocher zubereite. Summer plantscht derweil im nahen Tümpel.

Erst nach über einer Stunde geht's weiter. Viele Kilometer später endet der lichte Buchenwald an der Trave. Hier liegt Gothmund, ein ehemaliges Fischerdorf voller reetgedeckter Häuser, die idyllisch direkt am Wasser gelegen sind. Früher standen hier einfache Katen (Schutzhütten) für die Fischer, die nach einem Fang auf der Ostsee nach ihrer Rückkehr Schutz suchten. Heute sind es feste Häuser, in denen es sich sicherlich herrlich am Wasser wohnen läßt.

Westlich der Siedlung beginnt das Naturschutzgebiet Schellbruch, durch das wir auf einem alten Treidelstieg die Trave entlang wandern. Links des Weges liegen Brackwasser-Lagunen, es sollen hier viele Vorgelarten vorkommen, aber wir bekommen sie kaum zu Gesicht. Eine Bank in der Sonne gibt noch einmal Gelegenheit für eine Kaffeepause.

Wir sind bereits über sechs Stunden unterwegs, haben aber erst fünfzehn Kilometer gemacht. Da haben wir wohl etwas gebummelt.

Jetzt muss es etwas schneller gehen. Doch es gibt so viel zu sehen! Der großen Lagune folgt ein mooriges Gelände und wir kreuzen den Bach Medebek, dort können wir umgestürzte Bäume bewundern und sind faziniert, wie sie aus ihren hingestürzten Stämmen frische Äste in den Himmel recken.

Dann hat uns die Stadt wieder eingefangen. Hinter dem Glashüttenweg queren  wir den Lübecker Ehrenfriedhof. Uralte Grabsteine aus dem letzen Jahrhundert geben Zeugnisse der Vergänglichkeit und gemahnen uns an den Irrsinn zweier Weltkriege. Schöner finden wir den Burgfriedhof, auf den wir anschließend wechseln. Hier finden wir einen alten Grabstein, auf dem etwas in Runenschrift eingraviert ist. Was mag dort stehen?

Abschließend geht es durch den Stadtpark, der uns heute morgen angezogen hatte. Summer nimmt noch schnell ein Bad im Teich und ich staune, dass ein dicker Baum mit der Wegmarke des E1 verziert ist. Stimmt ja, durch Lübeck verläuft der Fernwanderweg auch. So habe ich wieder ein Stück meines Weges gemacht.

Die Lübecker Altstadt betreten wir durch das Burgtor, eines von vier Stadttoren, durch die man früher in die Stadt gelangen konnte. Neben dem Burgtor existiert heute nur noch das Holstentor, dass die Älteren unter uns vom 50DM Schein kennen. Über die große Burgstraße geht es vorbei an dem 1286 erbauten Heiligen-Geist-Hospital, eine der ältesten Sozialeinrichtungen der Welt. Auch die ehrwürdige Schiffergesellschaft, heute eine noble Kneipe mit langen Bänken für deftige Gelage, lassen wir links liegen. Zum Abschluss der Wanderung steht mir der Sinn jetzt nach einem zünftigen Bier, die Mädels lechzen nach einem prickelnden Alsterwasser. Was wir suchen, findet sich in der Breiten Straße auf der Terrasse der Kirche St.Jakobie bei "Peter Pan". Die Systemgaststätte ist nicht der schönste Platz, aber wir sind gerade nicht wählerisch. Um die Kirche weht schon ein kalter Wind, denn die wärmende Frühlingssonne ist schon hinter den Häusern verschwunden. So bleiben wir nicht lange.

Schön war's, versichern wir uns später im Zug und Hund Summer träumt derweil schon unter der Sitzbank.

Bilder in der Dropbox



Wandern auf dem E1:

in bisher 106 Tagen 2.515 km

durch vier europäische Länder.

Drymat



mein Kanal: Michael-wandert
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