Rund Hamburg, Tour #2: Billwerder -> Veddel

zwei Kraftwerke
zwei Kraftwerke

Eine Woche nach meiner Odenwaldtour juckten die Füße schon wieder. Das Wetter - bewölkt - war genau richtig für eine Wandertour.

Meine Frau Britta hat mich auch auf der 2. Tour rund um Hamburg begleitet.

 


Die Tour

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An der S-Bahn-Station <Mittlerer Landweg> geht es los, genau dort, wo die Tour#1 endete.

Zunächst muss unschönes Gewerbegebiet überwunden und der Lärm der Autobahn (auch das gehört zu Hamburg) ertragen werden, doch dann stoßen wir auf die Dove Elbe, einem Seitenarm der Elbe. Dort ist es ruhig und schön.

Der Weg führt auf schmalem Pfad zwischen Dove Elbe und dem Eichbaumsee direkt am Wasser entlang. Der Eichbaumsee ist entstanden, weil hier Sand für den Autobahnbahnbau entnommen wurde. Ursprünglich als großer Badesee konzipiert, darf man zur Zeit leider nicht baden, denn er muss sich von den vielen Badegästen erholen. Schade.

Vorbei geht es am Tatenberger Yacht Club, dort dümpeln zahlreiche Motoryachten im Hafen, die Freizeitkapitäne machen auf Gemütlichkeit, viele trinken gerade Kaffee an Deck. Sonst ist hier nicht viel los ist hier nicht, es herrscht mußevolle Stille.

Immer weiter geht es entlang der Dove Elbe, die Tatenberger Schleuse kommt in Sicht. Betreten werden kann sie leider nicht.

Ab hier laufen wir die Deichkrone der Dove Elbe entlang. Der Deich soll vor Hochwasser schützen. Schließlich mündet die Dove Elbe in die Norderelbe, dort liegen rechterhand die Wasseraufbereitungsbecken, die früher als Trinkwasserresservoir für die aufstrebende Großstadt dienten. Seit den 1990er Jahren sind die künstlichen Teiche Vogelschutzgebiet. Wir bewundern die Schönheit der alten Backsteinbauten, die hier vor hundert Jahren als Betriebsgebäude  gebaut wurden und die nun leider langsam von der Natur zurück erobert werden. Hier wird nur noch das Notwendigste zur Erhaltung getan.

Kurz darauf quert eine Autobahnbrücke die Norderelbe und unseren Weg. Wieder einmal schwappt der Lärm der mobilen Welt herüber und stört die Ruhe, doch kurz darauf haben wird es schon wieder vergessen, denn nun zieht das Naturschutzgebiet Holzhafen in ihren Bann. Wer weiß schon, dass diese Fläche eine Ausgleichsfläche für die Löffelente ist, die nach dem Zuschütten des Mühlenberger Lochs einen neuen Lebensraum benötigte? Alte, abgestorbene Bäume im moorigen Wasser bilden den pitoresken Vordergrund für das Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk Tiefstack, einem großes Zweckbau mit ansehnlicher Architektur.

Noch ein weiteren Betriebsgebäude liegt am Weg. Dieses Mal ist es die große Villa Kaltehofe des ehemaligen Hygienischen Staatsinstituts, die vor mehr als hundert Jahren inmitten der 22 Filterbecken errichtet wurde. Hier wurde früher das Wasser der Elbe zu Trinkwasser gefiltert. Heute werden sie nicht mehr gebraucht.

Schade ist, dass die schönen, kleinen Schieberhäuschen allmählich verfallen und die Stiftung Wasserkunst Elbinsel Kaltehofe die übernommene Verpflichtung des Erhaltes der Gesamtanlage in diesem Punkt nicht erfüllt. Doch die Stiftung tut an anderen Stellen einiges. Die Anlage ist zugänglich, man kann herum gehen und sich informieren.

Die alte Villa beherbergt ein kleines Museum und - was für uns im Moment wichtiger ist - auch ein Café, das eine Kaffeepause wert wäre. Doch heute findet auf dem Gelände die Hanse-Bird-Mese statt. Die NABU stellte die diesjährige Messe unter das Motto "Nur was man kennt, das schützt man" und hat damit sehr viele Menschen angezogen.

Zu viele für uns, um hier in Ruhe Kaffee trinken zu können.

So gehen wir weiter und überqueren bald die Kaltehoper Brücke, eigentlich ein Sperrwerk, das Naturschutzgebiet und Kraftwerk vor Hochwasser schützen soll. Es ist ein bemerkenswertes Bauwerk, an dem vor allem die roten Quader ins Auge springen, die wie die roten Steine aus einem Tetris Spiel anmuten. 

Hinter dem Sperrwerk folgt der Elbpark Entenwerder, der 1997 als Erholungsfläche für Rothenburgsorter gestaltet wurde. In der Hoffnung, doch noch einen Kaffee zu bekommen, steuern wir das Cafe Entenwerder an, das ein Modeunternehmer (Thomas i-Punkt) zusammen mit seiner Tochter betreibt. Ein goldener Quader dominiert den Schwimmponton. Es ist Selbstbedienung angesagt, doch die lange Warteschlangen vor den zwei Ausgabestellen schreckt uns. WIr ziehen ohne Kaffee weiter.

Ich hätte doch meinen Kocher mitnehmen sollen...

Am Ende des Elbparks Entenwerder geht es über eine Fußgängerbrücke, die von hoher Warte tief ins brackige Elbwasser blicken läßt.

Wir meinen, nun sind wir gleich am Ende der Wanderung, die wieder so viele neue Eindrücke vermittelte.

Doch nein, noch ist es nicht so weit, denn eine Überraschung wartet noch auf uns: die Elbbrücken, über die man meist mit dem Auto saust (oder besser nicht, sonst schlägt der Blitzer auf der anderen Seite zu), überqueren wir heute zu Fuß. Fußgänger und Fahrradfahrer teilen sich neben der 6-spurigen Autobahn einen schmalen Streifen, die Mobilitätspriorität ist klar verteilt. Die Brücke queren erstaunlich viele Fahrradfahrer, die uns klingelnd zur Seite bitten, um Platz zu schaffen. Doch das Klingeln ist aufgrund des Autolärms kaum zu hören.

Quelle: Wikipedia
Quelle: Wikipedia

Hinter der Brücke beginnt Veddel, ein kleiner Stadtteil südlich der Hamburger Innenstadt und nördlich von Wilhelmsburg. Das dicht bebaute Gebiet ist durch Durchgangsverkehr und Enge gekennzeichnet. Die Wohnblöcke aus Backstein entstanden 1921 als eines der ersten kommunalen Kleinwohnungs-Bauprojekte in Hamburg, einheitlich gestaltet durch den für Hamburg so prägenden Oberbaudirektor Fritz Schuhmacher.

Die Enge ist bedrückt uns und wir sind froh, den S-Bahnhof Veddel (Ballin Stadt) zu erreichen. Am S-Bahn Zugang sitzen Männer - scheinbar mit Migrationshintergrund - und genießen ihren freien Sonntagnachmittag im öffentlichen Raum. Sie essen Döner und andere südländische Speisen, rauchen Wasserpfeife und unterhalten sich.  Frauen allerdings sieht man keine. Wir fragen uns, ob das nur Zufall ist.

Die S-Bahn fährt ein und wir fahren zurück nach Hause. Dort endlich gibt es Kaffee.

Die nächste Tour soll durch Wilhelmsburg führen.



Wandern auf dem E1:

in bisher 106 Tagen 2.515 km

durch vier europäische Länder.

Drymat



mein Kanal: Michael-wandert
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