E1-013-D-Fallingbostel

Kunst auf dem Freudenthalweg
Kunst auf dem Freudenthalweg

Auf dem Freudenthalweg unterwegs.

Die Bahn streikt. So nehme ich meinen Smart, um nach Wolterdingen zu fahren. Morgens um neun Uhr parke ich ihn in einer Seitenstraße, schultere den leichten Tagesrucksack und los geht es.

Smartie bleibt in Wolterdingen zurück
Smartie bleibt in Wolterdingen zurück

Heute geht es ein Stück auf dem Freundenthalwanderweg entlang. Die erste Wegmarke, ein weißes F auf schwarzem Grund, begegnet mir rasch. 

In Soltau ist Mark in der Fußgängerzone, die Leute kaufen für das Wochenende ein. Bald liegt der Ort hinter mir und es wird ländlich.

Der Weg führt auf einen Bauernhof zu. Kein Mensch zu sehen, aber ein Kuhstall, dessen Tor weit geöffnet ist. 

neugierige Kühe
neugierige Kühe

In der Mitte ein breiter Gang, links und rechts Kühe, die mit Fressen beschäftigt sind. Ich machen einen Schritt in den Stall, keine Ahnung, warum. Die Kuh links von mir hebt den Kopf, glotzt mich aus dunklen Augen fragend an. Sie ihr Maul sehr langsam. „Muh“, sagt sie, ziemlich laut und erzeugt damit eine Kettenreaktion. Die Kuh neben ihr hebt den Kopf, dann nacheinander auch die anderen, bis auch die letzte Kuh im Stall mich anstarrt. Was ich nun tue, ist vermutlich verboten, aber es reizt mich so. Ich gehe langsam durch den langen Stall und genieße, wie mir die Kühe mit hinterher schauen. Etwas unheimlich finde ich es, das gebe ich zu und ich bin auch froh, als ich auf der anderen Seite ankomme.

Rast auf dem Golfplatz Hof Loh
Rast auf dem Golfplatz Hof Loh

Bald habe ich die ersten zehn Kilometer geschafft, eine Bank am Rande des Golfplatzes „Hof Loh“ kommt für eine Rast wie gerufen. Auf dem Platz ist heute nur wenig Betrieb.

auf der Wanderautobahn
auf der Wanderautobahn

Ich wandere auf lockerem Waldboden, es geht immer nur geradeaus. Mit der Zeit wird das langweilig. Es kommt mir vor wie auf einer Autobahn, auf der ich zwar schnell vorankomme, aber es gibt nur wenig Abwechslung. Doch ich darf mich nicht beschweren, habe ich die Route doch selbst so geplant. Mein Ziel war, möglichst schnell voran zu kommen, Wäre ich dem E1 gefolgt, wäre die Strecke  vermutlich spannender gewesen. Ich hätte aber auch zwei Tage länger gebraucht. So hat alles seinen Preis. Meiner scheint heute eine gewisse Langeweile beim Wandern zu sein. Die Erfahrung ist neu und ich frage mich, ob sich die Freude am Wandern abnutzen wird.

Die Sonne scheint mir von vorne mitten ins Gesicht. Eine weitere Erfahrung, denn während der ersten Etappen Richtung Norden kam die Sonne immer von hinten. 

Noch ein Bauernhof, durch den Else Komoot mich führen möchte. Ich komme an zwei schwarzen Mülltonnen vorbei, auf denen in riesigen Lettern „Kadaver“ steht. Ich möchte nicht wissen, was da drin ist. Mich gruselts, meine Phantasie geht mit gerade mit mir durch. Der Weg hört am Hofende auf und Else Komoot möchte, dass ich umkehre. Das aber möchte ich nicht. Nicht noch einmal an den Tonnen vorbei. Lieber schlage ich mich durch die Büsche, um wieder auf den Weg zu gelangen.

Das Tor
Das Tor

Ich komme zur Böhme, springe über Steine auf die andere Bachseite. Der Weg führt aus dem Flusstal hinaus auf einen Hügel. Dort werde ich von zwei obskuren Kunstobjekte überrascht, die mir erst auffallen, als ich unmittelbar vor ihnen stehe

„Der Wächter“ bewacht ein "Tor", das man kaum wahrnimmt, denn es ist aus Spiegeln gefertigt, in denen sich der Wald spiegelt. Blaue Fliesen verwurzelt das Kunstwerk mit dem braunen Waldboden.

Am Abend recherchiere ich, dass die Skulpturen Teil der Naturausstellung „Böhme schafft Kunst“ sind. Neun Skulpturen wurden entlang der Böhme aufgestellt und sollen damit „das verbindende Element der Böhme und ihren besonderen Naturraum betonen." 

Weiter geht es Richtung Dorfmark. Im Dorf gibt es einen Bahnhof. Das weiß auch mein innerer Schweinehund, der sich mal wieder meldet. Er würde jetzt gerne nach Hause fahren, gibt er mir energisch zu verstehen. Auch möchte er nicht nass werden. Tatsächlich, am Himmel braut sich das für den Nachmittag angekündigte Unwetter zusammen. Noch scheint zwar die Sonne, aber im Süden türmen sich dunkle Wolken auf und verkünden nichts Gutes. Bis nach Fallingbostel sind es noch gut eineinhalb Stunden und wenn ich weiter gehe, riskiere ich tatsächlich, richtig nass zu werden. Ich bin geneigt, meinem Schweinehund recht zu geben.

Doch eine Eisdiele lenkt ab. Ich bestelle erst einmal ein großes Eis. Das besänftigt ihn, er verkriecht sich wieder. Ich kann also weiter marschieren. Gut zu wissen, dass mein innerer Schweinehund bestechlich ist.

die Böhme führt durch ursprünglich anmutende Landschaft
die Böhme führt durch ursprünglich anmutende Landschaft

Weiter geht es die Böhme entlang, das Flusstal kommt urwüchsig und wild daher. Gerade passiere ich eine Brücke. Das linke Geländer ist weggebrochen, einzelne Planken fehlen, in Summe sieht sie nicht sehr vertrauens­erweckend aus. Aber es gibt keinen anderen Weg.

Danach geht es einen Hügel hinauf. Ich stehe vor einer eingezäunten Kuhweide. Es gibt ein Gatter, das sich öffnen lässt und als Bestätigung, dass alles seine Richtigkeit hat, prangt das weiße F des Freundenthalwanderwegs neben dem Gatter.

Auf der Wiese linst mich eine Kuh an
Auf der Wiese linst mich eine Kuh an

Auf der Wiese steht eine einsame braune Kuh, die mir riesig vorkommt. Ich muss an ihr vorbei. Das ist jetzt etwas anderes als mit den Kühen im Kuhstall, die hinter einer Stange von mir getrennt waren. Diese Kuh läuft frei herum und ich bin hier der Eindringling. Wie wird sie sich verhalten? Ich weiß, Kühe sind eigentlich friedliche Tiere. Aber weiß sie das auch? Reckt sie mir nicht schon ihre Hörner entgegen? Gleich wird sie Anlauf nehmen und mich über den Haufen rennen. Oh Mann, was in meinem Großstadthirn herum spuckt! Ich versuche, die aufkeimende Furcht zu bändigen, denn sie ist doch lächerlich! Mutig nähere ich mich dem Ungetüm, wir beäugen uns und ihre großen, dunkelblauen Augen schauen mich erwartungsvoll an.

Sie läßt mich passieren, ich lasse sie nicht aus den Augen. Immer wieder drehe ich mich um, man weiß ja nie! Nein, sie folgt mir nicht. Flatsch! Da habe ich einen Kuhfladen übersehen. Sch…

Natürlich fällt in diesem Moment Komoot aus, das Internet ist hier zu schwach, es bekommt kein Signal mehr, die Karte wird nicht mehr angezeigt. Ich kenne das ja schon vom letzten Mal. Aber heute komme ich vom Weg ab, finde keinen Ausgang mehr. Ich suche den gegenüberliegenden Zaun ab, gehe nach rechts, dann nach links. Es wird anstrengend, denn es wird schwül, der Schweiß rinnt mir den Rücken runter. Das ist auf einer Kuhwiese fatal, denn es lockt die Fliegen an, die sonst auf dem Rücken der Kühe glücklich sind. Ich kann und will nicht mehr! Aber hier, mitten auf der Wiese, kann ich mich nicht fallen lassen. Ich muss weiter suchen. Schließlich weiß ich mir nicht anders zu helfen, als über den Stacheldrahtzaun zu klettern.

Nun wird alles wieder besser. Die Internetverbindung ist wieder da und ich realisiere, dass ich vom Weg abgekommen bin. Lange dauert es, bis ich zurück auf der Route bin. Ich hatte zeitweise vollständig die Orientierung verloren.

 

Ein paar Kilometer geht es das wunderschöne Flusstal der Böhme entlang. Hier zu wandern ist wieder spannend. Vergessen sind Wanderautobahn und Kuhwiese.

Die Böhme fließt durch Bad Fallingbostel, genauer gesagt durch den Kurpark, der zum Bahnhof führt.

Der Zug kommt bald und bringt mich rasch nach Wolterdingen zurück, wo mein Auto wartet. Die Rückfahrt nach Hamburg kommt mir lang vor, denn ich bin erschöpft. Aus den geplanten 28 km sind 34 km geworden und ich weiß nicht genau, warum. An der Kuhweide alleine kann es nicht gelegen haben.


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Wandern auf dem E1:

in bisher 106 Tagen 2.515 km

durch vier europäische Länder.

Drymat



mein Kanal: Michael-wandert
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