E1-002-D-Kaltenkirchen

Geregnet hat es heute nur für diese Drei
Geregnet hat es heute nur für diese Drei

Ich lerne das Wandern.

Ich bin zeitig unterwegs, es verspricht an diesem Samstag frühlingshaft und warm zu werden. 

Beim Bäcker gegenüber der Bushaltestelle kaufe ich schnell noch ein Brötchen für später und ein Croissant für sofort, dann bringt mich der Bus zur U-Bahn und diese in einer knappen Stunde zum Bahnhof Norderstedt. Weiter geht es dort, wo die letzte Tour endete. Schnell geht es durch den Ort, noch schneller überquere ich eine laute Straße, dann umfängt mich der Wald. Ich bin froh, dass der Weg durch den Wald im Schatten verläuft, denn es wird schnell warm. Das Blätterdach lässt hier und da dicke Sonnenstrahlen zu mir dringen. Es scheint ein perfekter Frühlingstag zu werden und die Vögel finden das wohl auch. 

Drei Kilometer weiter ist der Zauber vorbei. Ich muss durch ein Gewerbegebiet, auf dem ein großes Umspannwerk steht. Keine schöne Gegend. 

Ich freue mich, wieder im Wald verschwinden zu können. Nun geht es an der Trasse der AKN-Bahn entlang. Hier werde ich wohl heute Abend mit dem Zug in entgegen gesetzter Richtung zurück nach Hamburg fahren. Den Gedanken wische ich beiseite, denn lieber möchte ich wandern. Immer weiter wandern. Vier Kilometer folgt der Weg den Schienen durch den dichten Wald. Doch kein einiger Zug rattert auf den Gleisen, auch begegnet mir kein anderer Mensch. Nur die zwitschernden Vögel sind um mich und tragen ihren Teil für meine entspannte Stimmung bei.

Ich fühle mich rundherum wohl und glücklich hier, mitten im Wald.

Auf einer Bank am Ortseingang von Henstedt-Ulzburg mache ich Rast. Das mitgeführte Wasser und das Brötchen schmecken viel köstlicher als zu Hause!

Leider endet der Zauber bald. Die letzten sechs Kilometer sind eintöniger, denn es geht wieder durch ein Gewerbegebiet. Dieses ist viel größer, viele Unternehmen aller Branchen haben sich angesiedelt. Hamburg quillt offenbar immer weiter über seine Ränder, der Speckgürtel wird fetter.

Nach einundzwanzig Kilometern erreiche ich Kaltenkirchen nach nur vier Stunden. Ich bin weder erschöpft noch sind die Beine müde. Heute könnte ich tatsächlich noch weiter gehen, so viel Lust bereitet mir das Wandern.

Doch ich lasse es für heute gut sein. Das Ziel ist erreicht.

Im Bahnhofskiosk gönne ich mir einen Kaffee. Ein Brötchen dazu wäre fein, doch das gibt es nicht. Mit dem Heißgetränk in der Hand setze ich mich auf die Treppe, wo schon andere hocken, die sich mit Bier in der Hand lallend unterhalten und mit ihren Stimmen gegen die plärrende Musik ankämpfen, die aus einem kleinen Radio stammt, dessen Lautsprecher viel zu laut eingestellt ist. Es ist wohl nicht das erste Bier, dass sie genießen. „Jedem das Seine“, denke ich nur, trinke aus und sehe zu, dass ich von hier wegkomme. 

Die AKN-Bahn nimmt mich mit und bald rumpeln wir an dem Waldstück vorbei, an dem ich heute morgen an den Schienen entlang ging. Voller Gedanken zischt der Zug vorbei und weiter nach Hamburg.

Ich bin gerade rechtzeitig zurück, um eine Verabredung für den Abend einzuhalten.


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