E1-001-D-Norderstedt

Die erste Pause auf dem E1 verbringe ich auf einem Spielplatz
Die erste Pause auf dem E1 verbringe ich auf einem Spielplatz

Antworten stehen am Ende - nicht am Anfang des langes Wegs auf dem E1. 

Es ist Anfang Mai, das Wetter kalt und regnerisch. Ich stehe auf der Straße vor meiner Wohnung und mache einen ersten Schritt, den ersten von Tausenden, die hoffentlich folgen werden. Mir fällt das Sprichwort ein: "auch die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt".

Soll ich jetzt wirklich los gehen? Was bürde ich mir auf? Was erwartet mich? Was wird der Weg mit mir machen? Solche Fragen beschäftigen mich bei während meiner ersten Schritte.

Doch am Anfang einer Wanderung stehen immer Fragen, die Antworten findet man meist am Ende der Reise. 

Also geh los! Jetzt! Michael wandert.

Die  heutige Route hatte ich schon Tage zuvor am Computer mit der Outdoor-Software Komoot vorbereitet. Das ging einfach, die Software hat fast alles von alleine gemacht. Ich brauchte nur Start und Ziel einzugeben und schon schlug mir die Anwendung eine Route vor.

Dieser folge ich nun, mein Smartphone weist mir mittels der Komoot-App die Richtung. Es soll durch den Stadtpark gehen. Ich bin noch auf bekanntem Gelände, aber der Weg, den Komoot vorschlägt, ist schon neu für mich.

Nach dem Stadtpark folgt die City Nord, der Weg schlängelt sich auf einem Grünstreifen durch riesige Gebäudekomplexe hindurch. Es folgt der Ohlstorfer Friedhof, Europas größter Friedhof. Durch den südlichen Eingang gelange ich hinein, aber auf der anderen Seite finde ich nicht wieder heraus. Endlich kann ich durch eine Pforte schlüpfen. Danach quere ich die Alster, folge dem schönen Alsterwanderweg, strebe immer weiter Richtung Norden. 

Es beginnt zu regnen. 

Die kleine Hütte auf einem Spielplatz, eigentlich nur ein Dach auf Stelzen, lädt zur Pause ein. Warum nicht? Ich bin schon eine ganze Weile unterwegs und der Regen wird immer heftiger. Ich schlüpfe hinein und strecke mich aus. Hier ist es trocken, aber zugig und kalt. Um mich abzulenken, betrachte ich den Nebel, der beim Ausatmen meinem Mund entweicht. Das macht dösig. Ich schlafe ein. Als ich wieder aufwache, hat der Regen aufgehört. Wie lange habe ich hier gelegen? Ich weiß es nicht. Die Pause hat mich erfrischt und jetzt habe ich Hunger. Mir fällt auf, dass ich ohne Verpflegung unterwegs bin. Bis zum nächsten Café ist es nicht weit, dort gibt es Kaffee und Kuchen, es schmeckt mir herrlich nach der vielen frischen Luft. Durch die Fenster sehe ich, dass es wieder regnet. Was für ein Glück ich doch habe, ein zweites Mal im Trocknen zu sitzen! 

Gut gestärkt geht es weiter. 

das Raakmoor im Norden von Hamburg (das Bild entstammt einer späteren Wanderung, auf der ersten Wanderung habe ich fast keine Bilder gemacht)
das Raakmoor im Norden von Hamburg (das Bild entstammt einer späteren Wanderung, auf der ersten Wanderung habe ich fast keine Bilder gemacht)

Vor mir liegt das Raakmoor. Hier weiche ich vom geplanten Pfad ab, denn in diesem Naturschutzgebiet war ich schon ein paar Mal. Das nimmt mir das Komoot-Programm übel; es stürzt ab. Und zwar richtig! Das Smartphone fährt herunter. Ich frage mich, was ich falsch gemacht habe. Vielleicht habe ich in der Karte zu oft hin und her gezoomt. Keine Ahnung, ich weiß es nicht. Als die App wieder bereit ist, fehlt die geplante Route und gleich stürzt sie wieder ab. Glücklicherweise habe ich denn Rest der noch zu gehenden Strecke so ungefähr im Kopf, dass ich den Weg vermutlich auch ohne Unterstützung finden werde. Ich lasse die App in Ruhe und freue mich, dass der Weg wenigstens weiter getreckt wird. 

Kunst an der Tarpenbek
Kunst an der Tarpenbek

Bald liegt das Rackmoor hinter mir, jetzt schlängle ich mich durch eine kleine Wohnstraße mit Einfamilienhaus-Bebauung, kreuze die Segeberger Chaussee. Immer weiter geht es Richtung Norden, bis ich Norderstedt erreiche. Dort führt der Weg durch einen Park, durch den sich die Tarpenbek windet. An ihrem Ufer steht eine Skulptur, die mir Rätsel aufgibt. Was will will mir die hängende Fledermaus sagen? Gibt es hier in diesem Park etwa Fledermäuse? Ich jedenfalls kann keine entdecken.

Ich erreiche den Bahnhof von Norderstedt, mein heutiges Ziel. Es reicht mir für heute, für einen ungeübten Wanderer ist es ein langes Stück Weg gewesen. Erschöpft besteige ich die U1, um nach Hamburg zurück zu fahren. Während der Fahrt komme ich an Stellen vorbei, an denen ich wenige Stunden zuvor gewandert bin. Wie schnell brause ich nun in umgekehrter Richtung an ihnen vorbei!

Die ganze Rückfahrt dauert fast eine Stunde, zu Fuß habe ich viermal so lange gebraucht. 

Zu Hause erst merke ich, wie müde ich bin. Der erste Wandertag hat mich geschafft. Die Dusche braucht lange, um mich durchzuwärmen. Und doch freue ich mich schon sehr auf den zweiten Wandertag. 


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Wandern auf dem E1:

in bisher 106 Tagen 2.515 km

durch vier europäische Länder.

Drymat



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